Blick in die Breite Straße auf das ehemalige Realgymnasium (heute Ruhr-Gymnasium) und die Synagoge um 1925 Foto: Elfriede Zimmermann, Repro: J. Fruck Quelle: Stadtarchiv Witten

Gedenken anlässlich des 9. November 1938 - Erinnern für Gegenwart und Zukunft

Die Stadt Witten, das Kulturforum Witten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, der Freundeskreis der Israelfahrer und das Ruhr-Gymnasium rufen zu einem öffentlichen Gedenken am Dienstag, 9. November 2021, um 18 Uhr am Ort der ehemaligen Wittener Synagoge in der Synagogenstraße auf. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Lars König folgen Beiträge von Dirk Gellesch, Leiter des Ruhr-Gymnasiums mit Schülern und von Claus Humbert, Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog im evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten.

Die Novemberpogrome 1938

Die brutalen Verbrechen der Reichspogromnacht, im Volksmund in zynischer Weise auch „Reichskristallnacht“ genannt, die vom 9. auf den 10. November 1938 an der jüdischen Bevölkerung begangen wurden, jähren sich zum 83. Mal. In dieser Nacht überfielen Anhänger des nationalsozialistischen Unrechtsregimes jüdische Bürger und Bürgerinnen in ihren Wohnungen, demolierten das Mobiliar, plünderten die noch verbliebenden Geschäfte jüdischer Inhaber. Sie machten selbst vor jüdischen Friedhöfen nicht Halt. Nazibanden steckten im November 1938 überall im Deutschen Reich mehr als 1.400 Synagogen und Gebetsräume in Brand. Sie verschleppten etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager, Hunderte wurden ermordet, in den Suizid getrieben oder starben infolge der Haftbedingungen. Die Pogrome um den 9. November 1938, die unter den Augen einer stillschweigenden Mehrheit der Bevölkerung durchgeführt wurden, waren ein schreckliches Fanal im Verlauf der deutschen Geschichte, die in den Holocaust führten.

Dies geschah nicht nur anderswo, sondern auch in Witten

Während Wittener Juden in der Pogromnacht in Haft genommen und meist über das Polizeigefängnis Bochum in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt wurden, zündeten Nationalsozialisten die 1885 erbaute Wittener Synagoge an der damaligen Kurze Straße/Ecke Breite Straße an. Am Morgen des 10. November 1938 waren die Kuppel und der Innenbereich des jüdischen Gotteshauses komplett ausgebrannt. Feuerwehrleute achteten lediglich darauf, dass die Flammen nicht auf Nachbargebäude oder das Ruhr-Gymnasium übergriffen. Die rassistisch motivierten Verbrechen im November 1938 bildeten den Auftakt zur so genannten Endlösung und zur Auslöschung der jüdischen Gemeinde in Witten. In Erinnerung und Gedenken daran rufen die Veranstalter auch dazu auf, jede Form der Stigmatisierung von Minderheiten, des Rassismus und Antisemitismus anzugehen. Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft finden.

Sperrung der Synagogenstraße am 9.11. von 18 Uhr bis 18:30 Uhr

Während der Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung wird die Synagogenstraße von 18 Uhr bis 18:30 Uhr gesperrt sein. Hierfür bitten die Veranstalter um Verständnis.

 

Bildnachweis: Blick in die Breite Straße auf das ehemalige Realgymnasium (heute Ruhr-Gymnasium) und die Synagoge um 1925 Foto: Elfriede Zimmermann, Repro: J. Fruck Quelle: Stadtarchiv Witten