Gedenken anlässlich der Novemberpogrome 1938 – Erinnern für Gegenwart und Zukunft

In diesem Jahr jährt sich zum 82. Mal die Reichspogromnacht. Vom 9. auf den 10. November 1938 drangsalierten Anhänger des nationalsozialistischen Unrechtsregimes jüdische Bürger und Bürgerinnen im damaligen Deutschen Reich.

Sie zerstörten ihre Wohnungen, Geschäfte und Friedhöfe und setzten in der sogenannten Kristallnacht über 1.400 Synagogen und Gebetsräume in Brand. Etwa 30.000 jüdische Männer wurden in nationalsozialistische Konzentrationslager verschleppt, Hunderte wurden ermordet, in den Suizid getrieben oder starben infolge der Haftbedingungen. Die Pogrome um den 9. November 1938, die unter den Augen einer stillschweigenden Mehrheit der Bevölkerung von Nazis durchgeführt wurden, waren ein schreckliches Fanal im Verlauf der NS-Geschichte, die in den Holocaust führten.

Dies geschah nicht nur anderswo, sondern auch in Witten

Während Wittener Juden in der Pogromnacht in Haft genommen und meist über das Polizeigefängnis Bochum in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt wurden, zündeten Nationalsozialisten die 1885 von der jüdischen Gemeinde erbaute Wittener Synagoge an. Am Morgen des 10. November 1938 waren die Kuppel und der Innenbereich des jüdischen Gotteshauses komplett ausgebrannt. Anwesende Feuerwehrleute achteten lediglich darauf, dass die Flammen nicht auf Nachbargebäude oder das Ruhr-Gymnasium übergriffen. In Erinnerung an die rassistisch motivierten Verbrechen im November 1938, die den Auftakt zur so genannten Endlösung bildeten und zur Auslöschung der jüdischen Gemeinde in Witten führten, finden seit über 30 Jahren am Synagogendenkmal in Witten öffentliche Gedenkveranstaltungen statt. In diesem Jahr wird aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens und der Corona-Schutzverordnung auf eine öffentliche Gedenkveranstaltung verzichtet.
 

Individuelles Gedenken statt öffentliche Gedenkveranstaltung zum 9. November

Die Stadt Witten, das Kulturforum Witten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, der Freundeskreis der Israelfahrer e. V. und das Ruhr-Gymnasium werden aufgrund der Covid-Pandemie dieses Jahr nicht zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung aufrufen. Eine Kranzniederlegung durch Bürgermeister Lars König am Ort der ehemaligen Synagoge erfolgt dennoch. In Abstimmung mit den Akteurinnen und Akteuren der Stadtgesellschaft, die stets an der Gedenkveranstaltung teilnehmen, wurde vereinbart, nicht gleichzeitig vor Ort zu sein. Individuelles Gedenken am Synagogen-Denkmal Breite Straße / Ecke Synagogenstraße ist selbstverständlich möglich. Das Stadtarchiv und der „Arbeitskreis Stolpersteine in Witten“ empfehlen auch einen individuellen Rundgang zu den bisher 108 Stolpersteinen in Witten. Angaben zu den Personen, an die mit den Stolpersteinen erinnert wird, und zu den Verlegeorten finden Sie auf der Homepage des Kulturforums unter folgendem Link: https://www.kulturforum-witten.de/stadtarchiv/stolpersteine/ 
 

Virtuelle Kampagne gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass und Intoleranz

Das Stadtarchiv Witten und die Deutsch-Israelische Gesellschaft, AG Witten, rufen dazu auf, zum 9. November die internationale, interreligiöse und virtuelle Kampagne „Es werde Licht“ der Organisation „March of The Living“ und der Jüdische Gemeinde Frankfurt zu unterstützen. Menschen sind eingeladen, persönliche Botschaften der Solidarität, gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass und Intoleranz für die Webseite www.motl.org/let-there-be-light zu verfassen. Geplant ist, diese Botschaften auf die angestrahlte Frankfurter Hauptsynagoge und die Klagemauer in Jerusalem zu projizieren. Phyllis Greenberg Heidemann, Präsidentin des „March of Living“ und Shmuel Rosenman, Weltvorsitzender des „March of Living“ betonen: „Wir müssen der Welt mit unserer Stimme sagen, dass Angriffe auf Juden und Nichtjuden gleichermaßen, sei es aus Gründen der Religion, der Rasse, der Hautfarbe oder des Glaubens, unentschuldbar sind.“
 

Bildnachweis: Blick in die Breite Straße auf das Realgymnasium (heute Ruhr-Gymnasium) und die Synagoge um 1925
Foto: Elfriede Zimmermann, Repro: J. Fruck
Quelle: Stadtarchiv Witten