Gedenkstein für die Opfer des Kapp-Putsches 1920 auf dem Kommunalfriedhof Heven, Billerbeckstraße, Foto J. Fruck

Aktuelle Buchpublikation Kapp-Putsch und „Märzrevolution“ vor 100 Jahren in Witten

In der Reihe „Wittener Hefte zur Stadtgeschichte“ hat Ralph Klein jetzt ein neues Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Kapp-Putsch und „Märzrevolution“ 1920 in Witten“. „Für seine Forschungen nutzte der Historiker eine Vielzahl von Quellen aus dem Stadtarchiv Witten“, berichtet die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Martina Kliner-Fruck.


Rechtsradikale wollten Weimarer Republik schon 1920 abschaffen

„Vor 100 Jahren, am 13. März 1920, gab es in Deutschland einen Militärputsch. Rechtsradikale Soldaten und Politiker wollten mit ihm die demokratische Weimarer Republik abschaffen. Die SPD-Minister aus der Regierung riefen die Arbeiterschaft zu einem Generalstreik auf, der im ganzen Land befolgt wurde. Im Ruhrgebiet bildete die Arbeiterschaft die sogenannte „Rote Ruhrarmee“ und bekämpfte die putschenden Soldaten militärisch. Am 15. März 1920 besiegten sie zum Beispiel am Bahnhof in Wetter putsch-treue Soldaten. Auch Arbeiter aus Witten waren daran beteiligt. Gegen den Streik und das militärische Vorgehen der Arbeiterschaft waren die Putschisten machtlos und gaben nach vier Tagen auf. 

Im Ruhrgebiet ging der Abwehrstreik in einen Aufstand über. Große Teile der Arbeiterschaft waren von der SPD-geführten Regierung enttäuscht, weil sie viele Versprechen nicht eingehalten hatte, z. B. den Bergbau zu sozialisieren und die Schichtzeit im Bergbau auf sechs Stunden zu verkürzen. Die Arbeitertruppen vertrieben das Militär aus dem gesamten Ruhrgebiet.


Die Rolle des Karl Stemmer aus Bommern

Zu den herausragenden Akteuren gehörte der Lehrer Karl Stemmer aus [Witten]-Bommern. Er war u. a. an den Verhandlungen zwischen aufständischen Arbeitern, der Regierung und dem Militär beteiligt. Das ausgehandelte Abkommen wurde von Seiten der Regierung und des Militärs gebrochen. Die Regierung entsandte Truppen in das Ruhrgebiet, die gerade noch gegen sie geputscht hatten. Diese gingen mit entfesselter Brutalität gegen die Arbeiterschaft vor.


Bibliografische Hinweise

Klein, Ralph: Kapp-Putsch und „Märzrevolution“ 1920 in Witten. Wittener Hefte für Stadtgeschichte, 1. Auflage, 2020, Verlag De Noantri, Bremen/Wuppertal, ISBN: 978-3-943643-17-6, 110 Seiten, 11 Abb., Preis 7,50 Euro.

Aus dem Inhalt:

1. Einleitung: Zwischen „Wittener Unruhen" und Kapp-Putsch (März 1919 bis März 1920)

2. „Die schwarze Woche" - Generalstreik gegen den Putsch (13. bis 18. März 1920)

3. "Die zweite Revolution" - vom Streik zum Aufstand (19. bis 22. März 1920)

4. Das Bielefelder Abkommen (23. bis 26. März 1920)

5. Neue Kampfbereitschaft (27. bis 31. März 1920)

6. Das Gemetzel in Pelkum (1. April 1920)

7. Das Ende des Aufstands in Witten (April 1920)

8. Ausblick: Wirklichkeit als Störfaktor

Anhang: Die gestorbenen Angehörigen der Roten Ruhrarmee aus Witten

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis


Gedenksteine für die Opfer des Kapp-Putsches stehen unter Denkmalschutz

Seit August 1999 steht der Gedenkstein für einige Opfer des Kapp-Putsches auf dem Kommunalfriedhof in Heven mit der Inschrift „Im Kampf für die Freiheit gefallen. Das Leben nahmen sie, aber nicht den Geist“ unter Denkmalschutz. Auch ein 1925 errichteter Gedenkstein auf dem evangelischen Friedhof in Bommern erinnert an einige Widerstandskämpfer der „Märzrevolution“ 1920. Dieser Gedenkstein wurde im März 1987 unter Denkmalschutz gestellt.


Bildnachweis: Gedenkstein für die Opfer des Kapp-Putsches 1920 auf dem Kommunalfriedhof Heven, Billerbeckstraße, Foto J. Fruck