Foto: Jörg Fruck

Holocaust-Gedenktag 2020: Gegen das Vergessen am Ort der Erinnerung

Programm am 27. Januar ab 12:30 Uhr

Begrüßung: Sonja Leidemann, Bürgermeisterin der Stadt Witten

Gedenkrede: Jan van Bremen (Niederlande), Sohn einer russischen Zwangsarbeiterin und eines niederländischen Zwangsarbeiters


Erinnerung an die in Witten-Annen zu Tode gekommenen russischen KZ-Häftlinge des KZ-Außenlagers Buchenwald (Schülerinnen und Schüler der Holzkamp-Gesamtschule)


Kranzniederlegung und stilles Gedenken


Führung über die denkmalgeschützte Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald je nach Witterungslage (Ralph Klein)


Im Anschluss laden die Veranstalter in die Erlöserkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Witten-Annen ein. Dort haben Interessierte die Möglichkeit zu Gesprächen mit Jan van Bremen und weiteren Gästen. 



„Ort der Erinnerung“: ehemalige NS-Zwangsarbeitslager an der Westfeldstraße und KZ-Außenlager Buchenwald Witten-Annen


Eine Teilfläche der ehemaligen NS-Zwangsarbeitslager an der Westfeldstraße / Immermannstraße diente von Mitte September 1944 bis Ende März 1945 als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Die heutige noch erhaltene Restfläche steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Das KZ-Außenlager Buchenwald war Teil des nationalsozialistischen (Konzentrations-)Lagersystems und damit Teil der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten.

Wann: Montag, 27. Januar 2020, ab 12:30 Uhr


Wo: Ort der Erinnerung, Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Witten-Annen, Westfeldstraße / Ecke Immermannstraße, 58453 Witten, im Anschluss Evangelische Erlöserkirche, Westfeldstraße 81, 58453 Witten-Annen.


Veranstalter: Stadt Witten, Stadtarchiv im Kulturforum Witten, Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Witten, Freundeskreis der Israelfahrer e. V., Evangelische Kirchengemeinde Witten-Annen



Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus


Der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1996 ein gesetzlich verankerter Gedenktag. Er erinnert an alle Opfer weiblichen, männlichen und unbestimmten Geschlechts des totalitären Nazi-Regimes: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Menschen des Widerstands, Kriegsgefangene und Deserteure, NS-Verfolgte in Wissenschaft, Kunst und Kultur und Zwangsarbeitende – also an Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gesellschaftlich ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, gequält und/oder ermordet wurden. 2005 wurde der 27. Januar in Anlehnung an den Tag der Befreiung von Auschwitz durch Einheiten der Roten Armee am 27. Januar 1945 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. Seit 1997 erinnern die Stadt Witten und verschiedene Akteure mit Gedenkveranstaltungen und Programmen zur kulturellen Bildung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und an die Opfer des Nationalsozialismus.



Auschwitz


Auschwitz-Birkenau steht für die Verbrechen und den millionenfachen Mord des NS-Regimes. Das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager wurde 1940 auf Befehl des Reichsführers-SS und Chefs der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, etwa 60 km westlich von Krakau errichtet. Das Gelände befand sich nahe der Stadt Oswiecim im polnischen Ostoberschlesien. 


Zunächst wurden 300 Juden aus der näheren Umgebung für Bauarbeiten herangezogen. Ab Juni 1940 trafen die ersten SS-Gefangenentransporte in Auschwitz ein und Anfang März 1941 waren bereits 10.900 Gefangene registriert. Ein Jahr später befahl Himmler den Bau eines zweiten Lagerkomplexes, Auschwitz II oder Birkenau genannt. Anschließend wurde ein drittes Lager - Auschwitz III - im nahe gelegenen Monowitz errichtet. Im Lauf der Zeit entstanden weitere Nebenlager. Die meisten Gefangenen wurden in Birkenau eingeliefert - in der Mehrzahl jüdische Menschen aus Deutschland und Polen.


Im Juni 1941 erhielt der erste Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, von Himmler den Auftrag zur Errichtung von Massenvernichtungsanlagen für die „Endlösung“ der Judenfrage. Der systematische und in Arbeitsteilung begangene Massenmord erfolgte ab Januar 1942. Die ersten Opfer waren Jüdinnen und Juden aus Oberschlesien, die mit Zyklon B ermordet wurden. Ab Mai 1942 fanden die ersten Selektionen in so genannte arbeitstaugliche und arbeitsunfähige Häftlinge statt. Alte, schwache, kranke Menschen sowie Schwangere und Kinder aus den „Judentransporten“ des Reichssicherheitshauptamtes wurden direkt nach ihrer Ankunft selektiert und ohne Registrierung in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Die fabrikmäßige Ermordung der Menschen in Auschwitz, ihre gezielte, brutale Vernichtung durch Zwangsarbeit und die entsetzlichen medizinischen Versuche an ihnen sind für uns heute nach wie vor unfassbar - das Leid der Opfer ist unermesslich. 


Die SS betrieb die Gaskammern von Auschwitz zwei Jahre und zehn Monate. Allein in diesem nationalsozialistischen Vernichtungslager wurden mehr als eine Millionen Frauen, Männer und Kinder ermordet. Als am 27. Januar 1945 Einheiten der Roten Armee in Auschwitz einrückten, fanden sie lediglich noch 7.600 Häftlinge lebend vor. Um Spuren zu verwischen, trieb die SS etwa 58.000 Gefangene auf die so genannten Todesmärsche. Die sowjetischen Befreier entdeckten am 27. Januar 1945 beispielsweise noch 843.000 Männeranzüge, 837.000 Damenmäntel und -kleider und große Mengen an Kinder- und Babykleidung. Sie fanden 44.000 Paar Schuhe und über sieben Tonnen Menschenhaar, verpackt für den Transport zur industriellen Verwertung.


(Text: Stadtarchiv Witten)



Literaturauswahl des Stadtarchivs Witten zu den Themen „KZ-Außenlager Buchenwald Witten-Annen“ und „NS-Zwangsarbeit in Witten“ 


Chambon, Albert. 81490. Paris 1961. [Flammarion, 248 S.]. Darin S. 118-217: Annen-Witten Kommando „Vent de Printemps“ [Frühlingswind]. [Chambon, Albert. 81490, übersetzt ins Deutsche von Gerda Bonsiepen, Typoskript, 102 S., Stadtarchiv Witten, o. Sign.].

Völkel, Klaus. „Hier ruhen 22 Genossen zu Tode gequält ...“: Gedenkschrift für die Opfer der Zwangsarbeit in Witten, 1941-1945. Hg. Stadt Witten, Bochum 1992.

Künstlerischer Ideenwettbewerb zu einer Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Witten-Annen: Dokumentation. Hg. Stadt Witten, Planungsamt, Witten 1993.

Grieger, Manfred; Völkel, Klaus. Das Außenlager „Annener Gußstahlwerk“ (AGW) des Konzentrationslagers Buchenwald September 1944 - April 1945. Hrsg. Stadt Witten, Der Stadtdirektor, Stadtarchiv Witten, Essen 1997. 

Klein, Ralph. Das KZ-Außenlager in Witten-Annen. Geschichte, städtebauliche Nutzung und geschichtspolitischer Umgang seit 1945, Berlin 2015.

Klein, Ralph. „Ein böser Blitzstrahl des Feindes durchbohrte unsere Herzen.“ Zwangsarbeit in Witten während der Zeit des Nationalsozialismus. Witten 2016. [Typoskript, 317 S.].




Foto: Jörg Fruck