Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers in Witten-Annen, Westfeldstraße; Foto: Jörg Fruck (Stadt Witten)

Holocaust-Gedenktag am 27. Januar

70. Jahrestag der Befreiung des KZ- und Vernichtungslagers Auschwitz

Die diesjährige Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar (Dienstag) beginnt um 12.30 Uhr an der Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers in Witten-Annen, Westfeldstraße.

 

Bürgerinnen und Bürger sind ganz herzlich eingeladen

Nach einem Grußwort der Bürgermeisterin der Stadt Witten, Sonja Leidemann, wird ein Team der Schülervertretung der Holzkamp-Gesamtschule die diesjährige Gedenkrede halten. Im Anschluss an eine Kranzniederlegung wird die Veranstaltung in der Erlöserkirche der Ev. Kirchengemeinde Witten-Annen, Westfeldstraße 81, mit der Eröffnung der Wanderausstellung zum Projekt „Stolpersteine in Witten“ und einer Vorstellung exemplarischer Einzelschicksale fortgesetzt.

 

Wer teilnehmen möchte, fühlt sich bitte herzlich eingeladen von: Stadt Witten / Stadtarchiv im Kulturforum Witten, Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Witten, Freundeskreis der Israelfahrer e. V. in Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde Witten-Annen, Holzkamp-Gesamtschule, und dem Arbeitskreis Stolpersteine Witten.

 

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus…

…am 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1996 ein gesetzlich verankerter Gedenktag. Er erinnert an alle Opfer des totalitären Regimes in der NS-Zeit: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Frauen und Männer des Widerstands, Kriegsgefangene und Deserteure, Wissenschaftler und Künstler, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gesellschaftlich ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden. 2005 wurde der 27. Januar, in Anlehnung an den Tag der Befreiung von Auschwitz durch Einheiten der Roten Armee am 27. Januar 1945, von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. An öffentlichen Gebäuden werden die Flaggen an diesem Tag auf Halbmast gesetzt.

 

Auschwitz: Konzentrations- und Vernichtungslager

„Auschwitz“ gilt heute als Inbegriff des Bösen. Auschwitz steht symbolisch für alle Verbrechen und den millionenfachen Mord des NS-Regimes. Das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager wurde 1940 auf Befehl des Reichsführers-SS und Chefs der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, etwa 60 km westlich von Krakau errichtet. Das Gelände befand sich nahe der Stadt Oswiecim im polnischen Ostoberschlesien.

 

Zunächst wurden 300 Juden aus der näheren Umgebung für Bauarbeiten herangezogen. Ab Juni 1940 trafen die ersten SS-Gefangenentransporte in Auschwitz ein, und Anfang März 1941 waren bereits 10.900 Häftlinge registriert. Ein Jahr später befahl Himmler den Bau eines zweiten Lagerkomplexes, Auschwitz II oder Birkenau genannt. Anschließend wurde ein drittes Lager - Auschwitz III - im nahe gelegenen Monowitz errichtet. Im Lauf der Zeit entstanden weitere Nebenlager. Die meisten Gefangenen wurden in Birkenau eingeliefert - in der Mehrzahl jüdische Menschen aus Deutschland und Polen.

 

Im Juni 1941 erhielt der erste Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, von Himmler den Auftrag zur Errichtung von Massenvernichtungsanlagen für die „Endlösung“ der Judenfrage. Der systematische und in Arbeitsteilung begangene Massenmord erfolgte ab Januar 1942. Die ersten Opfer waren Juden aus Oberschlesien, die mit Zyklon B ermordet wurden. Ab Mai 1942 fanden die ersten Selektionen in so genannte arbeitstaugliche und arbeitsunfähige Häftlinge statt. Alte, schwache, kranke Menschen sowie Schwangere und Kinder aus den „Judentransporten“ des Reichssicherheitshauptamtes wurden direkt nach ihrer Ankunft selektiert und ohne Registrierung in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Die fabrikmäßige Ermordung der Menschen in Auschwitz, ihre gezielte, brutale Vernichtung durch Zwangsarbeit und die entsetzlichen medizinischen Versuche an ihnen sind für uns heute nach wie vor unfassbar - das Leid der Opfer ist unermesslich.

 

Die SS betrieb die Gaskammern von Auschwitz zwei Jahre und zehn Monate. Allein in diesem nationalsozialistischen Vernichtungslager wurden mehr als eine Millionen Frauen, Männer und Kinder auf bestialische Weise ermordet. Als am 27. Januar 1945 Einheiten der Roten Armee in Auschwitz einrückten, fanden sie lediglich noch 7.600 Häftlinge lebend vor. Um Spuren zu verwischen, trieb die SS etwa 58.000 Gefangene auf die so genannten Todesmärsche. Die sowjetischen Befreier entdeckten am 27. Januar 1945 beispielsweise noch 843.000 Männeranzüge, 837.000 Damenmäntel und -kleider und große Mengen an Kinder- und Babykleidung. Sie fanden 44.000 Paar Schuhe und über sieben Tonnen Menschenhaar, verpackt für den Transport zur industriellen Verwertung.

 

Stadtarchiv / Pressestelle der Stadt Witten (mkf/lk)