Eingang Breddestraße 8 mit Gedenktafel zum "Tränenkeller" (Schiller-Gymnasium, ehemals "Schillerlyzeum"); Foto: Jörg Fruck (Stadt Witten)

17. Wittener Archivforum am Mittwoch, 3. Dezember 2014, 18 Uhr

„In der Schule gingen Hilfspolizisten ein und aus.“ – Der „Tränenkeller“ im Schillerlyzeum, Breddestraße 8

 

Referent: Ralph Klein
Veranstaltungsort: Schiller-Gymnasium, Treffpunkt Eingang Breddestraße 8

 

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler entfesselte die triumphierende NS-Bewegung eine ungeheure Welle der Gewalt gegen ihre politischen Gegner. Sie schuf sich dazu eine Hilfspolizei aus Angehörigen von SA, SS und Stahlhelm. SA und SS wurden mit einem Schlag von parteieigenen Schlägertruppen in Organe der staatlichen Exekutive umgewandelt. Dadurch erhielt die erbarmungslose Verfolgung ihrer Gegner einen amtlichen Anstrich. Die Wittener Hilfspolizei wurde in Räumen des damaligen Schillerlyzeums, Breddestraße 8, untergebracht, die die SS von der Stadt Witten gemietet hatte. Dorthin wurden 1933 Nazi-Gegner verschleppt, verhört und brutal gequält, von denen mehrere infolge der Misshandlungen starben. Der Keller des Schulgebäudes erhielt im Wittener Volksmund den Namen „Tränenkeller“. Bei einer Führung durch diesen Seitenflügel des heutigen Schiller-Gymnasiums wird die Geschichte der Hilfspolizei und der von ihr ausgeübten Gewalt auch als Vorgang der Institutionalisierung der NS-Herrschaft beschrieben.

 

Ralph Klein, Historiker, interessiert sich u.a. für die lokale Geschichte des 20. Jahrhunderts, die er kritisch aus sozial-, technik- und kulturpolitischer Perspektive betrachtet. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die NS-Zeit.

 

Die Wittener Archivforen

 

Die Wittener Archivforen fanden von 1998 bis 2007 an verschiedenen Orten, orientiert am jeweiligen Thema, statt. Nicht selten sind die ausgewählten Räumlichkeiten nur bedingt öffentlich zugänglich und haben mehr Aufmerksamkeit verdient. Auch der interdisziplinäre Ansatz charakterisiert das Format dieser Reihe. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, „Heimatforscher“ und Schüler/innen erhalten die Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse zur Stadt- und Regionalgeschichte an „besonderen Orten“ vorzustellen. Im Anschluss an die jeweilige Präsentation bietet sich die Möglichkeit zur Diskussion.

 

Im Jubiläumsjahr Wittens 2014 – bisher bekannte erste urkundliche Erwähnung vor 800 Jahren – reaktiviert das Stadtarchiv seine Reihe „Wittener Archivforum“.

 

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.