Eugene Tafel: Das Alte Haus 1899; Repro: Jörg Fruck

Stadtarchiv stellt neuentdeckten Historischen Roman vor

Leseprobe aus:

Tafel, Eugenie
Das alte Haus. Eine Erzählung aus dem sechzehnten Jahrhundert.
Gotha, Gustav Schloeßmann 1899
[Leipziger Buchbinderei-A.G. vorm. Gustav Fritzsche, Leipzig-Berlin]
Leinen, 344 S., 3-facher-Rotschnitt

 

1. Witten.“

 „Es war an einem Herbstmorgen im Jahre 1577. Über dem Ruhrthal lag dichter Nebel, so undurchdringlich, daß der ortskundige Ritter von Hoete Mühe hatte, den Pfad am Ufer des Flusses zu finden, und sich fast mehr auf sein Pferd verlassen mußte. […]

[…] Der Ritter ließ langsam im Schritt sein Pferd gehen, konnte er sich doch an dieser Gottespracht nicht satt genug sehen. Noch ein kleines Stück Weg, und das Ziel desselben wurde sichtbar, „das Haus auf dem Berge“, oder wie es später hieß: „Haus, oder Schloß Witten,“ so benannt nach dem sich daran schließenden Dorfe Witten, jetzt eine blühende Fabrikstadt. […]“

 Der historische Roman „Das Alte Haus" aus dem 16. Jahrhundert wurde Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Die Autorin Eugenie Tafel wirft einen Blick in die Grafschaft Mark (Witten und Umgebung) des 16. Jahrhunderts, und kombiniert Fiktion mit realen Bezügen zur Wittener Stadtgeschichte. Das Buch, das eine Wittenerin wieder entdeckte und dann im Stadtarchiv recherchierte, steht nun zur Ansicht und zum „Schmökern“ im Nutzerraum zur Verfügung. Die Schriftstellerin und Haushaltsmanagerin Eugenie Tafel widmete es „den Verwandten im Crengeldanz in dankbarer“ Liebe.

 

Informationen zur Autorin

Eugenie Johanna Elisabeth Tafel wurde am 12.02.1834 in Tübingen als erstes von acht Kindern der Wilhelmine Tafel geborene Müllensiefen (1809-1872) und des Johannes Friedrich Immanuel Tafel (1796-1863) geboren. Sie war eine Enkelin des Peter Eberhard Müllensiefen (1766-1847), Unternehmer und Landrat für den Kreis Iserlohn, der seine Söhne Gustav und Theodor bei der Gründung (1825) und Führung der Glasfabrik Gebr. Müllensiefen, die auf dem Grund des Gutes Crengeldanz betrieben wurde, beriet.

Das Elternhaus der Autorin war geprägt durch die beruflichen und theosophischen Tätigkeiten ihres Vaters, der als Universitätsbibliothekar in Tübingen und Professor für Philosophie u. a. die Swedenborg‘sche Lehre [siehe Emanuel Swedenborg, geb. 1688, verstorben 1772] in Deutschland verbreitete und dabei ideell und finanziell von seinem Schwager Theodor Müllensiefen unterstützt wurde. Eugenie Tafel gehörte wie ihre Mutter und ihre Geschwister der evangelisch-lutherischen Kirche an. Nach dem Tod ihres Vaters zog die unverheiratete und kinderlose Eugenie Tafel mit ihrer Mutter und ihren Schwestern nach Düsseldorf. Fünf Jahre später übernahm sie die Leitung eines gräflichen Haushalts mit Erziehung der Kinder. 1875 zog Eugenie Tafel nach Godesberg und begann dort ihre schriftstellerische Tätigkeit. Zu ihren Werken zählen u.a. Erzählungen und Novellen, zahlreiche praktische Ratgeber für die Haushaltführung und Kochbücher, die zum Teil in mehrfacher Auflage erschienen sind. Eugenie Tafel starb am 22.04.1908 in Wernigerode.


Quellen: u. a. Pataky, Sophie: Lexikon deutscher Frauen der Feder Bd. 2. Berlin, 1898., S. 355, vgl.: www.zeno.org/nid/20009080287; vgl. auch: Groth, Friedhelm: Peter Eberhard Müllensiefen, Iserlohner Landrat von 1818 bis 1836, in seinen Beziehungen zum Tübinger Swedenborgianer Immanuel Tafel, in: Blätter zur Deilinghofer Kirchengeschichte, Heft 3b, Iserlohn 1995. Deutsches Geschlechterbuch: Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien, hrsg. von B. Koerner, Bd. 109, 1940, S. 269 ff.; www.wlb-stuttgart.de/fileadmin/user_upload/sammlungen/drucke/swedenborg/Tafel_Immanuel.pdf; Stadtarchiv Wernigerode, Sterberegister 95/1908.

 

Artikel aus der WAZ vom 10.09.2014, Susanne Schild

 

Artikel aus den Ruhr-Nachrichten vom 10.09.2014, Ferry Radix