v. l. Nigel Knell (Praktikant im Stadtarchiv Witten), Dr. Martina Kliner-Fruck (Stadtarchiv Witten), Uwe Peise (Förderverein Bergbauhistorische Stätten Ruhrrevier e.V., Arbeitskreis Sprockhövel); Karin Hockamp (Stadtarchiv Sprockhövel), Hans-Dieter Meisehen (Förderverein Bergbauhistorische Stätten Ruhrrevier e.V., Arbeitskreis Sprockhövel); Foto: Stadt Witten (J. Fruck)

Schätze aus der Bergbau-Vergangenheit

Die Stadtarchive Witten und Sprockhövel helfen sich gegenseitig. Das Institut der Nachbarstadt kann sich jetzt über vier historische Postkarten und Baupläne freuen.

Wer heutzutage eine Postkarte mit einem Zechenmotiv bekommt, der guckt zumindest genauer hin. Denn an rotierende Förderräder und rauchende Schlote können sich längst nicht mehr alle erinnern. Im Jahre 1900 aber war die Zeche Alte Haase kein Relikt aus alter Zeit, sondern Realität. Und so war das Motiv weniger besonders als die lieben Grüße auf der Karte. Für das Stadtarchiv Sprockhövel, das die Karte und weitere Dokumente jetzt vom Wittener Stadtarchiv bekommen hat, ist es aber aber ein kleiner Schatz.

Von den Zechen sehe man heute eigentlich nichts mehr, sagt Karin Hockamp vom Sprockhöveler Institut. Mit solchen Motiven aber werde die Vergangenheit vor unserer Haustür wieder lebendig. So könne man anhand des Stempels auf der Postkarte genau schließen, wie die Zeche im Jahre 1900 aussah, als der Ruhrbergbau in voller Blüte stand. Bis zu 1400 Menschen malochten dort in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Und so ganz nebenbei erzählt die Postkarte auch, wie viel damals das Versenden lieber Grüße kostete (5 Pfennig) und dass am besagten 15. Juni 1900 die kleine Bertha Wienstroth das Licht der Welt erblickte, der die liebevollen Worte galten: „Heute am Tage deiner Geburt will ich es nicht versäumen, Dir durch diese Karte meine innigsten Gratulationen darzubringen und hoffe, daß Du diesen Tag noch sehr oft froh und vergnügt im Kreise deiner Lieben feiern kannst“, heißt es dort in schönster ziselierter Handschrift.

Eine zweite Postkarte – mit Grüßen an „Sohn und Bruder“ zum „Wiegenfeste“ ziert der Förderturm der Zeche Alte Haase. Noch zwei weitere wandern ins Sprockhöveler Stadtarchiv, auf ihnen sind der Schacht Ulenberg der Zeche Deutschland und noch einmal die Zeche Alte Haase zu sehen. Dass sich die Institute untereinander austauschen, sei „Tagesgeschäft“, sagt die Wittener Leiterin Dr. Martina Kliner-Fruck. Denn eine Konkurrenz im Kulturbereich sei gerade in Zeichen klammer Stadtkassen der falsche Weg, ergänzt die Sprockhöveler Stadtarchiv-Chefin Karin Hockamp. Und so habe sich natürlich auch Witten schon über Dokumente und Bilder aus der Nachbarstadt freuen können, darunter die Urkunde einer „nicht standesgemäße“ Heirat eines Wittener Industriellen mit einer Magd, erinnert sich Hockamp.

Am Mittwoch aber konnte sie sich freuen – über die vier Postkarten, aber auch über die Planungskarten der Kleinbahn Bossel-Blankenstein, die zwischen 1910 und 1968 durch das Hammertal fuhr. Als Leihgabe wandert darüber hinaus eine Akte nach Sprockhövel – mit wichtigen historischen Informationen über die Unterbringung von Kriegsgefangenen auf dem Gelände der Zeche Gewerkschaft Barmen.

Quelle: derwesten.de, 22.08.2013, Claudia Scholz

 

Von Witten nach Sprockhövel

Zusammenarbeit von Stadtarchiven und dem Förderverein Bergbauhistorischer Stätten e.V. ist für alle ein Gewinn

Es ist guter Brauch unter den Archiven des Ennepe-Ruhr-Kreises, Archvalien, die den anderen „Sprengel“ betreffen, abzugeben, als Original, Digitalisat oder nur befristet als Leihgabe.

Und so war das Treffen zwischen den Leiterinnen der Stadtarchive Witten und Sprockhövel, Dr. Martina Kliner-Fruck und Karin Hockamp in Witten eigentlich Alltagsgeschäft, wenn nicht noch weitere Gäste daran beteiligt gewesen wären.
In diesem Fall war auch der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. mit an Bord. Seine beiden Sprockhöveler Vertreter Hans-Dieter Meisehen und Uwe Peise sind speziell an Archivalien zur Bergbaugeschichte interessiert und haben die Möglichkeit, auch großformatige Unterlagen für den Verein und die Archive zu digitalisieren und damit für eine breite und schnelle Nutzung zugänglich zu machen.
Vom Stadtarchiv Witten wurde an das Stadtarchiv Sprockhövel abgegeben:

1.  Vier Bildpostkarten von 1900 bis 1955 mit Abbildungen der Zechen Alte Haase und  Deutschland,
2.  Fragmente eines Vermessungsplans der Kleinbahn Bossel-Blankenstein, die zwischen 1910 und 1968 durch Sprockhövel und das Hammertal fuhr,
3.  Als Leihgabe: Eine Baugenehmigungsakte (1916-1920) mit dem Bauantrag der Zeche Gewerkschaft Barmen zur Errichtung eines Wohnhauses und Nebengebäude zur Unterbringung von Kriegsgefangenen. Zwar gehörte das Zechengelände zum Bereich des Amtes Sprockhövel, der Neubau jedoch sollte nördlich des Pleßbachs auf Durchholzer Gemeindegebiet entstehen. So gelangte die Akte über das Amt Herbede in das Stadtarchiv Witten. Auf der Zeche Gewerkschaft Barmen haben während des 1. Weltkriegs 135 Kriegsgefangene, überwiegend Franzosen, geschuftet, das war etwa ein Drittel der Belegschaft. In Hinblick auf das nächste Jahr, in dem sich der Beginn des 1. Weltkriegs zum 100. Mal jährt, ist dies eine besonders interessante Akte.

Alle Beteiligen waren sich einig, dass Austausch und Kooperation von Stadtarchiven und Vereinen für alle Seiten von großem Nutzen sind, da das unterschiedliche Wissen und die Fertigkeiten sich ergänzen und die historische Kulturarbeit in der Region bereichern.

Foto: von links: Nigel Knell (Stadtarchiv Witten), Dr. Martina Kliner-Fruck (Stadtarchiv Witten), Uwe Peise (Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.), Karin Hockamp (Stadtarchiv Sprockhövel), Hans-Dieter Meisehen (Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.)

Foto: Stadt Witten (J. Fruck)