Geschichtsverein Bommern im Stadtarchiv; Foto: Jörg Fruck

Angebot der Archiverkundung lockte viele Besucher

Der Heimat- und Geschichtsverein Bommern (HGV) und das Stadtarchiv hatten am Dienstag (9.4.) gemeinsam zur Erkundung des Archivs in der Saalbau-Passage eingeladen – ein Angebot mit überwältigendem Erfolg, von dem alle überrascht waren. Institutsleiterin Dr. Martina Kliner-Fruck schickt dazu folgenden Bericht:

„Der Vorsitzende des HGV, Klaus Wiegand, war davon ausgegangen, dass sich etwa 10 bis 15 Interessierte zur Archiverkundung einfinden würden - wenn überhaupt. Doch es kam ganz anders. Der Archivvormittag verlief noch ganz normal - mit zehn Besuchern, die an Mikrofilmlesegeräten, in Amtsakten oder Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte forschten, Beratung suchten oder beglaubigte Urkundenkopien wünschten. Aus der Verwaltung wurde eine Aktenübernahme angeliefert, und die telefonisch Anfragenden wurden wie an „solchen“ Tagen üblich nur kurz informiert. Mittags bereiteten zwei Studierende und ein Schülerpraktikant noch eine für den Nachmittag geplante Präsentation vor. Nach unserem Konzept kann eine 15- bis 20-köpfige homogene Nutzergruppe bei einem Erstbesuch durchaus zeitgleich informiert und trotzdem individuell beraten werden. Dazu gehört im Stadtarchiv Witten meist ein Dialog zwischen Jüngeren und Älteren, Experten und Newcomern und das Be-greifen von Originalen - dies selbstverständlich mit Schutzhandschuhen.

Die Überraschung

Am Nachmittag kam die Überraschung: Ab 15 Uhr strömten über 40 Bommeraner in den neuen Nutzerraum des Stadtarchivs, der über einen barrierefreien Eingang in der Saalbau-Passage zugänglich ist. Ich war überwältigt von dem großen Andrang. Die größte Freude war für alle, dass der fast 88-jährige Hans-Ulrich Hake, das Geschichtsgedächtnis Bommerns, als Rollstuhlfahrer in die Saalbau-Passage gekommen war. Nachdem alle Sitzgelegenheiten – selbst Bürostühle – besetzt waren, ging es los. Fragen – Antworten – Fragen: Wer ist nutzungsberechtigt? Ab wann führen welche Archive Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden der ehemaligen Standesämter Bommern und Annen? Wie hießen die Männer auf dem ausgestellten Gruppenbild der letzten Gemeindevertretung? Mattes Jonasson, derzeit Schülerpraktikant im Stadtarchiv, hatte seine Fragen an den Bommeraner Geschichtsverein vorbereitet, die von Klaus Wiegand und anderen Sachkundigen beantwortet wurden. Dabei lernte der 16-jährige, dass „früher“ ein sehr dehnbarer Begriff ist.

Ein weiteres Highlight: Interessierte konnten die Magazinräume „im Bauch des Saalbaus“ besuchen. Klaus Wiegand kündigte an, diesen Dialog gerne in Kleingruppen fortführen zu wollen, um manches zu vertiefen. Zum Abschluss übergab die Handschriftenpatin des Stadtarchivs, Elisabeth Lammers-Schöttes, zwei Poesiealben aus dem frühen 20. Jahrhundert und der NS-Zeit an den HGV für sein Erzählcafe. Dies war nach Absprache des Stadtarchivs mit der Schenkungsgeberin vorab vereinbart worden.“

Presseinformation der Stadt Witten vom 11.04.2013 (Dr. Martina Kliner-Fruck)