Erich Müller-Kraus

Ruinendämonie, 1946

Surreale Tendenzen

Karl Otto Götz, Thomas Grochowiak, Klaus Jürgen-Fischer, Erich Müller-Kraus, Bernhard Schultze, Heinz Trökes


Die Kunst nach 1945 spiegelt einerseits die Folgen von Schrecken und Zerstörung des Zweiten Weltkriegs wider, andererseits versucht eine Vielzahl der Künstler bei den künstlerischen Grundlagen der Jahre vor 1933 anzusetzen. Aufgrund strenger Restriktionen sowie der Unterdrückung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten finden nur wenige von ihnen die Freiheit, ihre meist surrealen, abstrakten Grundlagen im Werk weiterzuentwickeln. Erst nach dem Ende des sogenannten Dritten Reiches gelingt es, an die alten Grundlagen anzuknüpfen und diese zu einer zeitgemäßen Ausdrucksweise auszuformulieren. In der Präsentation wird deutlich, dass der Surrealismus (gemeinsam mit dem Expressionismus) einen der bedeutendsten Ausgangspunkte für das spätere Informel bildet.

In dem Bestreben, rationale Steuerungen durch die Hinwendung zum Unbewussten zu umgehen und den Zufall in die bildnerische Gestaltung einzubeziehen, liegt eine Möglichkeit, schematische Fesseln abzulegen und neue Freiräume zu schaffen. Auf dieser Grundlage gelingt es zum Beispiel Heinz Trökes oder Klaus Jürgen-Fischer. gegenständliche und gegenstandslose Elemente zu einer bildnerischen Einheit zu verbinden.

Künstler wie Bernard Schultze oder Karl Otto Götz greifen die surrealistischen, abstrakten Ansätze der Vorkriegsmoderne auf, um an die zeitgenössische Kunstentwicklung anzuschließen und diese weiterzuentwickeln. Im Surrealismus finden sie ein geeignetes Formenrepertoire sowie das Potenzial, zu neuen, bislang unbewussten Inhalten vorzustoßen. So gewinnen diese Künstler eine neue Freiheit im Umgang mit der Form, die zunehmend abstrahiert wird, bis sie schließlich im Informel nahezu völlig aufgelöst wird.