Heinrich Nauen

Herbstwald, 1920

Expressionismus

Heinrich Campendonk, Erich Heckel, Heinrich Nauen, Emil Nolde, Walter Ophey, Max Pechstein


"Als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt." (Ernst Ludwig Kirchner)

Der Expressionismus richtet sich gegen die tradierte bürgerliche Ordnung. In der bildenden Kunst steht nicht mehr die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe, sondern die Vermittlung der eigenen Empfindung im Zentrum des Schaffens. Formal äußert sich dies in einem freien Umgang mit Formen und Farben.

So zeigt das "Bahnwärterhäuschen" von Walter Ophey die Dynamik einer die Landschaft zerteilenden Zugfahrt, während die Landschaften von Heinrich Nauen, Erich Heckel und Max Pechstein das Motiv auf wesentliche Elemente reduzieren. Sie lösen die traditionelle Perspektive auf und stellen den Klang der Farben in den Vordergrund.

Durch die Auflösung und Staffelung von Farbformen verbindet Heinrich Campendonk in dem Bild "Kuhmelkerin" Mensch und Natur zu einer neuen malerischen Einheit. Die Betonung der Farbe lässt sich auch in den Aquarellen von Emil Nolde nachvollziehen. Ungeachtet seines Eintretens für eine "germanische" Kunst, gilt sein Werk den Nationalsozialisten als "entartet" - wie das der meisten Expressionisten, sodass die Entwicklung der expressionistischen Kunst eine jähe Zäsur erfährt. In der Anwendung der Farbe als Übersteigerung des Ausdrucks wird der Expressionismus zu einer wichtigen Grundlage für die informelle Malerei.