Karel Niestrath

Die Hungrige, 1928

Peter Herkenrath

Frau am Fenster, 1933

Werner Scholz

Flucht, 1933

Empore

Peter Herkenrath, Karel Niestrath, Werner Scholz


"Es ist höchste Zeit, sich der wütenden Kulturzerstörerei der Nazis entgegenzustemmen, ihr mit tatkräftigen Arbeiten zu antworten (...) die Frevel, die sich Faschisten bereits auf legale Weise leisten können, müssen in ihrer Verantwortungslosigkeit vor der gesamten Öffentlichkeit demonstrativ aufgezeigt werden." (Werner Scholz)

Drei Werke beschreiben exemplarisch den Bruch der künstlerischen mit der gesellschaftlichen Entwicklung gegen Ende der Weimarer Republik und zu Beginn der 1930er-Jahre in Deutschland. Karel Niestrath modelliert die Skulptur "Die Hungrige" als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise. Das verhärmte, abgemagerte Mädchen wird zum Sinnbild seiner Entstehungszeit und formuliert zugleich einen moralisch-emotionalen Appell.

Auch das Werk von Werner Scholz ist von der Erfahrung von Unterdrückung und Verfolgung geprägt. Die malerische Bildsprache des Künstlers, die im deutschen Expressionismus wurzelt, findet in einem dunklen Kolorit ernsten und meist melancholischen Ausdruck. So auch in dem Gemälde "Die Flucht". Deutlich verweist die in Rückenansicht dargestellte, zum Teil abgewandte Figurengruppe auf Genozid und Vertreibung. Scholz nimmt hier das grausame Schicksal der europäischen Juden und die Auslöschung aller Individualität vorweg.

Dies gilt auch für das Bild "Frau am Fensterkreuz" von Peter Herkenrath. Im Angesicht des in einer Paraphrase dargestellten Kreuzes, in ihrer Gesichts- und Sprachlosigkeit wird die Figur zu einer Metapher der gesellschaftlichen Entwicklung ihrer Zeit und verkörpert - verstärkt durch die Gegenüberstellung mit dem Bild "Die Flucht" - eine zeitgenössische Kassandra, die angesichts der Gefahr von Faschismus und Nationalsozialismus ungehört verzweifelt.