Foto: Julia Unkel, Witten

Johann Mauritz Gröninger (zugeschrieben)

Grabmal der Familie des Conrad Freiherr von Strünkede zu Dorneburg, zwischen 1700 und 1725

Baumberger Sandstein

450 x 380 x 200 cm

 

Das barocke Denkmal aus Baumberger Sandstein kann als figurenreichstes Grabmal dieser Epoche im Raum nördlich der Alpen betrachtet werden. Aufgrund der Denkmalausführung und der Komposition wird es der berühmten Bildhauerfamilie Gröninger und ihrer Werkstatt in Münster zugeschrieben. Das Lebensgefühl der aristokratischen Gesellschaftsschicht zeigt sich in der barocken Inszenierung der zwölf leicht überlebensgroßen Figuren. In der Mitte der Denkmalgruppe befindet sich der Kurbrandenburgische Geheime Regierungsrat Conrad Freiherr von Strünkede (1645–1707), Droste zu Bodelschwingh und Gerichtsherr zu Eickel. Rechts neben ihm ist seine 25 Jahre jüngere Frau Elisabeth Sophie (1670–unbekannt), die bei der Hochzeit 17 Jahre alt war. Seine zwei Töchter stehen rechts neben ihrer Mutter, während die acht Söhne links neben dem Vater positioniert sind. Seine Frau war es auch, die wahrscheinlich 1707, nach dem Tod ihres Mannes, dieses Familiengrabdenkmal errichten ließ.

 

Conrad wird als kräftiger lebensstrotzender Ritter in selbstbewusster Haltung mit wallender Perücke nach dem Vorbild des französischen Königs Ludwig XIV. dargestellt. Die Perücke, fast einer Löwenmähne ähnlich, galt als Sinnbild männlicher Kraft und Schönheit und war ein Standeszeichen höfischer Etikette. Ursprünglich trug er in seiner linken Hand ein Schwert. Die Gattin Elisabeth Sophie und die beiden Töchter tragen Brokatkleider in der Mode des frühen 18. Jahrhunderts. Das hochgekämmte gewellte Haar mit den kleinen auf der Stirn eingerollten Locken ist mit einer Spitzenhaube bekrönt. Die Papierrolle mit einem Bibelvers und die Bücher in den Händen der Frauen symbolisieren deren Gottesglauben und Belesenheit. Die Söhne sind je nach Alter in Offiziers- oder Zivilkleidung der Zeit oder als Kleinkinder auf Sesseln sitzend dargestellt. Von den acht Söhnen sind beim Tod des Vaters bereits vier verstorben.

 

Dargestellt ist die Familie vor einem Vorhang, über dem in der Mitte zwei geflügelte Putten prangen. Das Grabmal wird bekrönt von zwei vergrößerten Wappen und insgesamt 32 weiteren Wappen, die die standesgemäße Ahnenprobe nachweisen. Unter der Denkmalgruppe befindet sich ein Sockel mit einer von Engeln gehaltenen Inschriftkartusche. Weiterhin sind auf den Innenflächen des Sockels die Namen der anderen Familienmitglieder mit Geburts- und Sterbedaten eingetragen. Die darüber gruppierte stolze Familie zeigt einerseits die Pracht des adeligen Lebens in vollen Zügen im Barock, andererseits darf nicht die Mahnung an die Vergänglichkeit des Lebens fehlen. Sie wird symbolisiert durch die Sanduhr und die Knochen als Embleme des Todes sowie einen ursprünglich vorhandenen Totenschädel. Die Platzierung der Gruppe vor dem Bühnenvorhang belegt zudem, dass die ganze barocke Scheinwelt mit ihrem Prunk kein Ausdruck der Tatsächlichkeit, sondern nur ein Theater für die Welt ist. Die dem Menschen unzugänglichen Entscheidungen über das Leben fallen hinter der Bühne, er muss sie so hinnehmen, wie sie fallen. Literarische Parallelen zu dieser Weltsicht finden wir bei den barocken Gedichten von Gryphius oder Hoffmannswaldau.

 

Der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark zu Witten (VOHM) erwarb die Strünkede-Gruppe im Jahr 1891, als die Grabkapelle in Eickel abgerissen wurde. Im Zweiten Weltkrieg erlitt sie starke Beschädigungen und wurde in den Jahren 1982-1987 aufwendig restauriert. Danach stellte man sie im Erweiterungsbau des Märkischen Museums als Hauptanziehungspunkt und Höhepunkt barocker westfälischer Plastik wieder auf. Bedeutender bezüglich des historischen und künstlerischen Wertes im Märkischen Museum ist nur noch die Holzstatue des Erzbischofs Engelbert von Berg aus dem 13. Jahrhundert.

  

Hardy Priester, Vorstand Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark zu Witten e. V.

 

 

Mittlere Inschrift auf dem Sockel

„Der Hochwohlgebohrene Herr Conrad

Freyherr von Strünckede, Herr zu

Dorneburg, Eickel, Tholouse, Darbon,

Buidingen, Seiner Königlichen

Majestät in Preußen Clev. und Mär-

Kischer geheimbter Regierungs Rath,

Camerer und Droste Ambts Bokum und

Castrop ist im Jahre 1645 den 30.

Augusti gebohren, den 20. May 1707

gestorben und alhier beygesetzt,

hat nebst der Hochgebohrenen Frauen

Elisabeth Sophien Freyfrauen von

Strünckede Frauen zu Dorneburg,

Eickel, Tholouse, Darbon Buidingen,

gebohrene Gräffinne von Schwerin,

so den 27. Dezember 1670 gebohren

dieses Epitaphium um steten An-

denken verfertigen und aufrichten

lassen, des 1707 Jahrs.“

 

 

Reihenfolge der Personengruppe des Familiengrabdenkmals des Conrad von Strünkede zu Dorneburg:

mittig: Conrad von Strünkede zu Dorneburg (1645-1707);

nach rechts: Ehefrau Elisabeth Sophie (1670-?), Tochter Maria Johanne (1693-?), Tochter Elisabeth Charlotte (1695-?);

nach links stehend: Sohn Friedrich (1690-1706), Sohn Conrad (1692-1719), Sohn Carl (1697-1770), Sohn Ludwig (1699-1759);

nach links sitzend: unbenannter Sohn (1696-1696), Sohn Otto (1691-1693), Sohn Wilhelm (1701-1704) und Sohn Sigismund (1704-1752).

 

Reihenfolge der Wappenschilde über dem Architrav:

mittig: Allianz-Wappen der Familie des Ehepaares des Conrad von Strünkede und seiner Ehefrau, der geborenen Reichsgräfin Elisabeth Sophie von Schwerin

nach links: von Strünkede; von Lützenrodt zum Clyff; von. Hatzfeld-Oedendaa; von Marnix; von Boenen; von Hanxenlenden-Körtlinghausen; von Neuhoff genannt Ley; von Goer; von Asbeck zum Gahr; von Backum-Berge; von Harff-Weissweiler; von Schorlemer; Scheiffahrt von Merode; von Meverden; von Wienhorst und von Hamericouff

nach rechts: von Schwerin, Quadt zu Wickradt; von Graben; von Tork-Niederhemer; von Weissenbach; von Morgan; von Wylich-Kervendonk; von Flodorp; von Merode; von Sallandt; von Wittenhorst zu Horst; von Schlabrendorff; von Thümen; von der Leyhe; von Statten und von Wickenau.

 

Inschrift auf der Papierrolle in den Händen von Elisabeth Sophie von Strünkede zu Dorneburg - Bibelvers aus dem Buche Hiob:

„Ich weis, das Mein Erlöser lebet und

Er wird Mich hernach aus der Erden

Aufferwecken und werde darnach mit

Dieser meiner Haut umbgeben werden

und werde in meinem Fleisch Gott

sehen; denselben werde ich mir sehen

undt meine Augen werden Ihn undt kein

frembder ...“

 

 

Auf Wikipedia finden Sie weitere Informationen zum Rittergut Dorneburg: https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Dorneburg.

 

Bekannter ist das Schloss Strünkede, in dem sich heute das Emschtal-Museum befindet: https://www.herne.de/Kultur-und-Freizeit/Kulturorte/Schloss-Str%C3%BCnkede/

 

 

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