Foto: Julia Unkel, Witten

Gabriele Münter (* 1877 in Berlin; † 1962 in Murnau am Staffelsee)

Schneelandschaft, 1909

Öl auf Leinwand

70 x 53 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 

 

Welch ein schöner sonniger Wintertag! Wir blicken einen steilen schneebedeckten Hang hinauf bis zu den Gipfeln einer sich dunkel abgrenzenden Bergkette in Braunrot und Violetttönen, über der in strahlendem Hellblau als einheitliche Fläche ein wolkenloser Himmel zu sehen ist. Im Vordergrund befindet sich ein Heuhaufen, dessen kräftiger, zungenartig ausladender Schatten dunkelblau leuchtet. Dahinter erkennt man silhouettenhaft eine einzelne Tanne, dann zwei kleine Hütten und sich in die Bildtiefe verkleinernde Bäumchen. An vielen Stellen ist ein kräftiger Pinselstrich sichtbar. Die Lichter sind in einem hellen Gelb kraftvoll aufgesetzt, während das Weiß der Schneefläche im Kontrast dazu in feinen Abstufungen vielfach in den Farben der Umgebung gebrochen ist.

 

Das Bild entstand 1909 in der Umgebung Murnaus in den bayrischen Bergen, wo Gabriele Münter in jenem Jahr ein Haus erwarb. Dort lebte und arbeitete sie in den folgenden Jahren zusammen mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky. Das Haus – noch heute im Ort das „Russenhaus“ genannt und längst Museum – war ein Treffpunkt derjenigen Künstler, die 1911 die berühmte Gruppe des „Blauen Reiter“ gründeten.

 

Zuvor war Gabriele Münter 1906/07 in Paris und hatte dort die Malerei der Impressionisten studiert. Auch Claude Monet und Camille Pissarro liebten Schneelandschaften wegen der besonders reizvollen Erscheinungsfarbigkeit und malten selbst im Winter konsequent im Freien. Solche Anregungen aufgreifend, steigerte Gabriele Münter dagegen in ihren Bildern die Farbigkeit und deren suggestiven

Ausdrucksgehalt, betonte zunehmend die Flächigkeit und die Kontraste und vereinfachte die Formen immer mehr auf das Wesentliche. So präsentiert das Wittener Bild dieser bedeutenden Malerin der frühen Moderne ein schönes Beispiel für den Übergang von den impressionistischen Anfängen hin zum Expressionismus.

 

Prof. Volker Lehnert, bildender Künstler

 

 

 

Die Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“

Anfang des 20. Jahrhunderts schlossen sich in München einige junge Künstler, darunter Franz Marc, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, August Macke und Paul Klee, zur expressionistischen Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“ zusammen. Vereint wollten sie eine Erneuerung der Kunst in Deutschland vorantreiben. Die Gruppe kritisierte den herrschenden Kunstkanon als zu akademisch und elitär und forderte mehr Offenheit als auch Vielfalt. Die Idee zu diesem Namen entstand laut Kandinsky so: „Den ‚Blauen Reiter‘ erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf. Beide liebten wir Blau. Franz Marc die Pferde, ich die Reiter. So kam der Name von selbst.“

 

 

Mehr Informationen zu Gabriele Münter und dem Münter-Haus in Murnau am Staffelsee finden Sie auf der Internetseite des „Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung“ unter: http://www.muenter-stiftung.de/

 

Der Dokumentarfilm des Bayrischen Rundfunks „Gabriele Münters letzte Jahre: Retterin des "Blauen Reiter" | Zwischen Spessart und Karwendel“ gibt Einblicke in das Haus in Murnau sowie in das Leben und Werk der Künstlerin. Zu finden unter: https://www.youtube.com/watch?v=ju2RoB7h5xQ

 

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