Gustav Deppe (* 1913 in Essen; † 1999 in Witten)

Sommerabend, aus: Landschaften oberhalb desGesichtsfeldes (Ruhrstraße in Witten), 1947

Öl auf Papier

42 x 55 cm

© Nachlass Gustav Deppe

 

Gustav Deppe war einer der auch überregional bekannten Wittener Maler und Grafiker. Er gründete 1948 zusammen mit Emil Schumacher, Thomas Grochowiak, Ernst Hermanns, Heinrich Siepmann und Hans Werdehausen die Künstlergruppe „junger westen“. Diese versuchte nach dem Zweiten Weltkrieg angesichts der verfahrenen Situation der Kunst im Nachkriegsdeutschland neue Wege zur

Moderne zu finden.

 

Nicht mehr die naturalistische Darstellung der Welt, wie sie in der Nazizeit propagiert wurde, war das Ziel, sondern im Zentrum stand das Bestreben, die Gefühle, Empfindungen der Maler, die beim Anblick der sich entwickelnden Industrie im Ruhrgebiet entstanden, in Bildern auszudrücken. Daraus erwuchs eine informelle, meist abstrakte Malerei, wobei Farbe und Form und der Entstehungsprozess im Vordergrund standen und nicht in erster Linie das Motiv.

 

Deppe hat dem Ruhrgebiet mit seinen Industriebildern ein Denkmal gesetzt. Schon ab 1939, als der ehemalige Museumsdirektor Peter Emil Noelle ihm in Witten ein Atelier verschaffte, widmete er sich den verschiedenen Ansichten der Ruhrgebietslandschaft, die durch die industrielle Architektur geprägt ist. Fördertürme, Hochspannungsmasten, Transformatoren und Kraftwerke waren seine bevorzugten Motive. Diese zeigte er nicht in der naturgetreuen Wiedergabe, sondern komponierte die Industrielandschaft neu. Er zerlegte die Landschaft oder die Fördertürme in Flächen sowie in verschiedene geometrische Formen und Linien.

 

So lenkt er auch in dem Bild „Sommerabend, aus: Landschaften oberhalb des Gesichtsfeldes (Ruhrstraße in Witten)“ den Blick des Betrachters nicht etwa auf das Ruhrtal, sondern nach oben – oberhalb des normalen Gesichtsfeldes – auf die „Architektur“ der Stromleitungen, Masten und Lampen, die im Licht der untergehenden Sonne einen starken Kontrast zum Abendhimmel bilden.

 

Das Bild strahlt Ruhe aus, ganz im Gegensatz zur hektischen Industriearbeit, woran die Silhouette des Edelstahlwerks links unten gerade noch erinnert. Bereits in diesen frühen Bildern zeigt sich Gustav Deppes Vorliebe für Masten und Kabel als Element der Bildarchitektur. Die Welt der Technik im Revier, die in jenen Nachkriegsjahren alles andere überlagerte, wird zu seinem künstlerischen Thema und zu seinem bevorzugten Bildmotiv. Zunächst noch realistisch, dann immer abstrakter werdend. Allein schon dieses Bild spiegelt seinen Weg zur Abstraktion: Hier sind die Bäume in der untergehenden Sonne nur angedeutet. Realitätsnah dagegen wirkt das Verkehrsschild unten rechts als Gegenstück zum Edelstahlwerk.

 

Dr. Gert Buhren, Vorsitzender Wittener Künstlerbund e. V.

 

 

 

Die Künstlergruppe „junger westen“

1947 formierte sich in Recklinghausen die Künstlergruppe „junger westen“; ein Jahr später, 1948, ließ sie sich als Verein eintragen. Nach 1945 bereitete sie den Weg für das Wiederaufleben der Moderne sowie ein freiheitliches und demokratisches Kunst- und Kulturleben, nicht nur im Ruhrgebiet, mit. Nach der Niederwerfung des NS-Regimes und dem Ende des Zweiten Weltkriegs galten ihre Gründer als Hoffnungsträger für einen künstlerischen und moralisch-geistigen Neuanfang. Die Kerngruppe bildeten fünf Maler und ein Bildhauer. Im Austausch mit gleich gesinnten Künstlern fanden sie zu einer neuen abstrakten Formensprache.

 

 

 

Auf der Internetseite von kunstgebiet.ruhr finden Sie Informationen zu Gustav deppe sowie zu vielen anderen Künstler*innen, Kunst im öffentlichen Raum und zur Kunstgeschichte im Ruhrgebiet: https://www.kunstgebiet.ruhr/kuenstler/gustav-deppe/

 

Mehr zur Künstlergruppe „junger westen“ finden Sie unter: http://www.junger-westen.com/

 

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