there was a world, once

Eelco Brand, Gary Carsley, Rowena Dring, Martin Healy, Anya Janssen, Nike Savvas, Martijn Schuppers

Im Mittelpunkt der Ausstellungsaktivitäten 2012 des Märkischen Museums Witten steht das kuratorische Programm: “Von Künstlern für Künstler“. Den Auftakt gibt die englische Künstlerin Rowena Dring mit ihrer Ausstellung “There was a world, once“. 

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf den endzeitlichen Science-Fiction Film “Soylent Green“ aus dem Jahr 1973, der die Konsequenzen der exzessiven Nutzung begrenzter Ressourcen mit all ihren möglichen Auswirkungen in einem Zukunftsszenario thematisiert. Berühmt sind die Sterbeszenen eines Hauptdarstellers, der in einer Euthanasieklinik einen Film vorgeführt bekommt. In den letzten Minuten seines Lebens sieht er eine fruchtbare, reiche Welt mit atemberaubenden Naturlandschaften.
Hier setzt Dring mit Ihrer Thematik an und erörtert optimistisch, aber kritisch die Frage nach einer schönen, friedlichen Welt mit den Möglichkeiten der Bildenden Kunst in der Gegenwart. Die von ihr ausgesuchten Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich motivisch und inhaltlich vorwiegend mit dem Genre der Landschaft. Dabei beleuchten sie die Konstruktion von Landschaftsansichten, verweisen auf die Fiktionen von Naturmythen und offerieren doch den Glauben an Ideale im 21. Jahrhundert.

Die Künstlerin und Kuratorin unserer Ausstellung “There was a world, once“, Rowena Dring (geb. 1970), zeigt verschiedene großformatige Landschaftsansichten, die eindeutige Pop-Art Bezüge aufweisen und an “Malen-nach-Zahlen“ erinnern. Monochrome Baumwollstoffe werden patchworkartig auf den Bildträger genäht. Drings besondere Technik verbietet die direkte Verbindung zu den realen Schauplätzen und fordert stattdessen die subjektive Erinnerung an eine gesehene Szenerie ein, die unser Bild von der “idealen Natur“ als kulturelle Konstruktion entlarvt.

Eine klassische Ausbildung als Maler kann der niederländische Künstler Eelco Brand (geb. 1969) vorweisen. Heute interessieren und faszinieren ihn allerdings ausschließlich die technischen Möglichkeiten künstlerisch zu arbeiten. Bis ins feinste Detail erschafft Brand 3D-Computeranimationen und digital erstellte C-Prints, die plastische, beeindruckende  Landschaftsfragmente oder konstruierte, phantastische Welten entstehen lassen.

Gary Carsley (geb. 1957) lebt und arbeitet in Australien und den Niederlanden. Seine Installationen und Bildwerke bestehen aus computergenerierten Monoprints von Parks und Landschaftsgärten, die er aus verschiedenen gescannten Laminatfolien erstellt. Als angelegte, vom Menschen komponierte Natur, ist der Park ein Bild, das von einem gewünschten Miteinander von Vegetation und einer in sich geschlossenen Raumgestaltung handelt. Meist verwendet Carsley IKEA-Möbel, die mit den Prints beklebt werden und beispielsweise vor einen Wandbehang mit eben demselben Motiv gestellt werden, sodass eine eigenartige Dreidimensionalität entsteht. Seine Rauminstallationen haben zudem einen sozialen, verbindenden Charakter und werden zu einem Ort des Austauschs in einer unechten Welt.

Nike Savvas (geb. 1967) greift in ihren Installationen unterschiedlichste Phänomene und Thematiken der Philosophie und der Naturwissenschaften auf, die sie eigenwillig und fantasievoll verbildlicht. Widersprüchlich, d.h. konkret oder gegenständlich, geht die Künstlerin vor, um ihre Ideen zu materialisieren. Ihre Installation “Zero to Infinity“, eine Arbeit bestehend aus vielen filigranen Glasvögeln, legt poetisch die Endlichkeit von Natur und Leben dar.

Malerische Positionen von den niederländischen Künstlern Anya Janssen (geb. 1962) und Martijn Schuppers (geb. 1967) sind  ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Janssens Bildwelten zeigen eigenartige, surreal anmutende Landschaften. Vor allem interessieren sie ambivalente Gewächse, die sowohl in einer realen, als auch in einer Märchenlandschaft vorkommen, wie z.B. der Fliegenpilz, der als Glücksbringer gilt, aufgrund seiner Giftigkeit aber todbringend ist.
Martijn Schuppers Gemälde sind hingegen abstrakt gehaltene Malereien. Die sehr farbigen Arbeiten wirken wie übermalte Fotoprints, sind aber wahrhaftig reine Malerei. Tatsächlich beeindruckt von den technischen Möglichkeiten der Fotografie, gelingt ihm die Irritation durch die Verätzung der verwendeten Farben auf der Leinwand. So entstehen Bilder, die eine Art Mondlandschaft durch verschiedene Farbschleier freigeben