Plastik und Skulptur des Informel

 

Entfesselung der Form. Plastik und Skulptur des Informel
Emil Cimiotti, Otto Herbert Hajek, Ernst Herrmanns, und Friederich Werthmann


Laufzeit: 19. September bis 5. Dezember 2010

 

Im Zentrum der Sammlung des Märkischen Museums Witten steht das deutsche Informel mit einem Schwerpunkt auf Malerei. Um die Schausammlung und die Diskussion um das Informel im Bereich der Plastik zu bereichern, konzentriert sich die Ausstellung auf vier Positionen im Bereich der Skulptur. Ernst Hermanns (1914-2000), Emil Cimiotti (*1927), Otto Herbert Hajek (1927-2005) und Friederich Werthmann (*1927) haben sich auf unterschiedliche Weise mit der Befreiung von der Form und der raumgreifenden Dynamik statischer Gebilde befasst.

Die Bezeichnung Informel wurde zunächst nur auf Malerei und Zeichnung bezogen; die Skulptur bis in die achtziger Jahre in der Regel ausgeklammert. Dabei zeigt die Ausstellung anhand von 24 Skulpturen und einer Reihe von Zeichnungen, wie die Bildhauer zu neuen Gestaltungsformen finden. Sie entwickeln eine gegenstandslose, gestisch geprägte Skulpturenauffassung, die in den Raum ausgreift und ihn dynamisiert. Dabei spielen – neben gesellschaftlichen und ästhetischen Voraussetzungen – die Gestaltbildung aus dem Potenzial des Materials eine wesentliche Rolle. Die Präsentation von Bildhauerzeichnungen macht zudem deutlich, wie die freie gestische Gestaltung in die Dreidimensionalität der Plastik überführt wird, die zwischen Auflösung und Entstehen changiert, sich von ihrer materiellen Bindung befreit und zu neuen Raumgestaltungen führt.

 

Die Ausstellung ist Teil eines gemeinsamen, umfassenden Projektes im Kulturhauptstadtjahr des Gustav-Lübcke-Museums Hamm, der Kunsthalle Recklinghausen und des Märkische Museum Witten. Die drei Museen gehören mit ihren Sammlungsschwerpunkten und ihrer Geschichte zu den wichtigsten Häusern der Aufarbeitung des Informel und stellen diese Bedeutung durch das gemeinsame Ausstellungsprojekt heraus. Dabei findet an jedem Ort eine andere Schwerpunktsetzung statt. Hamm konzentriert sich mit der Ausstellung „Bewegte Strukturen“ auf die Malerei. „Die Formen zum Explodieren bringen“ zeigt in Recklinghausen den Reichtum der Entwicklung im Bereich der Zeichnung. In Witten stehen mit „Entfesselung der Formen“ die Plastik und Skulptur im Vordergrund. Durch den Austausch von Exponaten und die Ergänzung um weitere Leihgaben, wird nicht nur eine der wichtigsten Kunstrichtungen der Nachkriegszeit erfahrbar; ebenso verweist die Ausstellung auf die unterschiedlichen Sammlungsgeschichten und macht die zahlreichen Querverbindungen und das Netzwerk der Museen im Ruhrgebiet deutlich.