Christoph Dettmeier - Reise an das Ende der Nacht

Die multimediale Ausstellung „Reise an das Ende der Nacht“ zeigt in den sechs Wechselausstellungsräumen des Märkischen Museums Witten Werke des Künstlers Christoph Dettmeier (geb. 1966, lebt in Berlin). Die Schau bildet die Fortsetzung der zuvor gezeigten Ausstellung „Happy Birthday, 100 Jahre 1. Weltkrieg", die in 2014 im Chapter Arts Center in Cardiff/Wales gezeigt wurde.

Die thematischen Verbindungen zwischen den einzelnen Arbeiten und Paarungen von Dettmeiers Werken in der Ausstellung bieten ein permanentes Gedankenspiel zu den Auswirkungen und Folgen des 1. Weltkriegs. Das kollektive Trauma des Krieges, die Entwicklung des Horrorfilms und des zeitgenössischen Videospielgenres fügt Dettmeier in epische Bildlandschaften und zum Nachdenken anregende Installationen zusammen. Er verfolgt mit diesen Arbeiten keinerlei didaktische oder historisch aufklärende Ziele, sondern sie sind das künstlerische Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit dem Thema.

Das Video „Mountains of Madness“ zeigt die Überreste der Schützenübungsgräben in Penally/Wales. Die Kommentare und der Soundtrack, entnommen aus Multi-Player-Online-Kriegsspielen, begleiten den Film. Durch die Aufnahmen realer Schauplätze und virtuell simulierter Kriegserfahrungen wird auf die Frage nach der Manipulativität medialer Kriegsdarstellungen eingegangen.

Die Fotografien aus den Serien "Privatland" und "Voigtland" zeigen geografisch meist unbestimmt bleibende Un-Orte. „An Ihnen scheint ein Zeitfenster zwischen den bereits vergangenen, das auf die eine oder andere Weise noch spürbar ist, und etwas Neuem, das sich mehr oder weniger deutlich bereits ankündigt, auf zu gehen“ (Christoph Dettmeier).

Eine Fotografie aus dieser Serie zeigt ein von Efeu umranktes und von grünen Bäumen umringtes Kruzifix auf einem Schlachtfeld der nordfranzösischen Ebene von Arras, das zur Heroisierung gefallener Krieger errichtet wurde. Das von Dettmeier gewählte Motiv stellt derartigen Umgang mit Kriegsgeschichte infrage und weist darauf hin, dass die Realgeschichte nicht mehr mythologisiert werden kann.

Grundlegend arbeitet der Künstler multimedial. Seine Ausdrucksmittel reichen  von fotografischen Serien über Videos bis zu Plastiken. Zahlreiche Einzelausstellungen und viele Performances offenbaren seine Vielseitigkeit.

Christoph Dettmeier studierte freie Kunst an der Hochschule der Künste Berlin und der Hochschule für bildende Künste Hamburg.