das widerspenstige fleisch

Peter Duka, Heinz Hausmann, Stu Mead, Max Müller, Norika Nienstedt, Caro Suerkemper, Fabian Weinecke

21. Mai bis 21. August 2011

 

Der Titel "das widerspenstige Fleisch" bezieht sich auf die gleichnamige autobiografi-sche Schrift von Rudolf Schlichter (1890 - 1955), der zunächst als bildender Künstler bekannt wurde. Dabei ist sein Werk einerseits von der Stilvielfalt seiner Zeit - wie Dadaismus, Surrealismus und Neue Sachlichkeit geprägt - andererseits von zahlreichen Brüchen, von kommunistischer Euphorie und nationalsozialistischer Bedrängnis, von Provokation und Anpassung. Schlichters Leben und Werk war zunächst geprägt von Auflehnungen gegen bürgerliche Vorstellungen, später wandte er sich dem Katholizismus zu. Von den Nationalsozialisten wurde er als entartet eingestuft, seine explizit illusionslosen und gesellschaftskritischen Darstellungen kamen auf den Index des "Dritten Reiches".

Die Ausstellung "das widerspenstige Fleisch" im grafischen Kabinett und im Strünkede-Foyer des Märkischen Museums präsentiert Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die allgemein sowohl an die Form und Haltung des Surrealismus, wie vor allen Dingen an die erotischen Themen und die Frage nach deren kritischen Potenzial in der Kunst anschließen. Gleichwohl handelt es sich nicht um eine rein illustrative Auseinandersetzung mit der Person Schlichters und seinem Werk, sondern um eine - im weitesten Sinne des Wortes - assoziative Annäherung an Schlichters leitmotivische Themen: Eros und Melancholie sowie Abgründe und Abhängigkeiten.

So beginnt das bildnerische Werk von Stu Mead mit surrealen, traumhaften Ge-schichten. Im Mittelpunkt steht die Figur des heranwachsenden Mädchens als Pro-jektionsfläche expliziter sexueller Darstellungen, die von einer ungehemmten Lust am eigenen Körper sprechen. Dabei changieren die Darstellungen zwischen denen ei-nes Identifikationsmodells und der Erfahrung des Schutzlosen und Ausgeliefertseins. Norika Nienstedt hingegen schafft surreal anmutende hybride Gestalten und Geschöpfe, die zudem eine vieldeutige Positionierung zur gegenwärtigen Selbstwahrnehmung und Identifikation mit den Kunstwesen der Medien- und Werbewelt aufweisen. Heinz Hausmanns Aktdarstellungen erinnern an die Pin-Ups der fünfziger Jahre und reflektieren deren Warencharakter durch die Zusammenführung mit Werbelogos. Caro Suerkemper hingegen greift auf die Idee der Porzellandekorationen des 17. und 18. Jahrhunderts zurück und schafft in Zeichnungen und mit Porzellanfiguren pornografische Darstellungen, die gleichzeitig von Humor und vor allem von Würde und Anstand zeugen.
Max Müller, als Mitbegründer der Band "Mutter" wie Rudolf Schlichter eine Doppelbegabung, verweigert die Darstellung des Schönen und betont in seinen Linienfragmenten die Grausamkeit der Sexualität, während Fabian Weinecke, hier auch gemeinsam mit Peter Duka vertreten, eigenwillige und poetische Zeichnungen und Malereien schafft, bei denen die klassische Form als Bühne für befremdliche, mitunter erotisch-melancholische Szenen dient. So sind diese Bilder, wie auch die Ausstellung insgesamt, ebenso Begegnungen mit der Geschichte der Malerei, wie höchst individuelle Erzählungen.