Drebusch Preis 2009 – „unter drei“

Laufzeit: 8. November bis 6. Dezember 2009

 

Philip Loersch (Preisträger)

Philip Loersch vollzieht in seinen Werken die Transformation graphischer und zeichnerischer Vorgehensweisen in den dreidimensionalen Raum. In seinen mitunter raumgreifenden Installationen und Environments untersucht er die Anwendbarkeit physikalischer Gesetze auf die gezeichnete Linie. Loersch verwandelt abstrakte Fragestellungen wissenschaftlicher Denkmodelle und Probleme in einen sinnlichen zeichnerischen Kosmos. Dieser nimmt bei ihm, im Gegensatz zum traditionellen Verständnis des Mediums Zeichnung, nicht in der gestalteten Fläche, sondern in einem von feinen Lineamenten und fragilen Strukturen geformten Raum Gestalt an: Mit der Linie als wichtigstem Element wird Grafik formal und inhaltlich grundlegend neu interpretiert. Indem seine Arbeiten physikalische Phänomene sinnlich erfahrbar machen, stellen sie einen wichtigen Beitrag zur Visualisierung aktueller Fragen der Physik dar und bieten damit die Chance zum besseren Verständnis komplexer Phänomene und Sachverhalte.

Philip Loersch wurde 1980 in Aachen geboren; 2000 bis 2006 Studium der Freien Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Holger Bunk und Alexander Roob; 2006 Diplom Bildende Kunst, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 2007 bis 2008 DAAD-Stipendium und Aufenthalt in Basel; er lebt und arbeitet in Berlin.


Charlotte Mumm

Körper sowie körperliche und körperbezogene Sinnlichkeit sind jene Bereiche, in die Charlotte Mumm in ihren Zeichnungen und plastischen Arbeiten vordringt. Ähnlich Loersch und Succo wendet Mumm sich in ihren Arbeiten individuellen Fragestellungen zu, die sie durch ihre Kunst auf eine individuelle Art und Weise sichtbar und damit sinnlich erfahrbar macht. Mit großer Experimentierlust spürt Charlotte Mumm in ihrem Werk den sinnlichen Qualitäten der verschiedenartigsten Materialien nach. Ihr besonderes Interesse gilt der detaillierten und sensiblen Übersetzung innerer Bilder in eine nach Außen gerichtete Formensprache. Um diesen inneren Wahrnehmungen so differenziert wie möglich folgen zu können, verbindet sie so heterogene Stoffe wie Styropor, Bauschaum, Draht, Mörtel, Ton oder Kunstleder zu hybriden Gebilden und Strukturen im Raum. Diese scheinen einer fortlaufenden Metamorphose unterworfen: An unerwarteten Stellen erscheinen Bilder, wachsen Formen und Objekte hervor. Auf Papier und in ihren plastischen Arbeiten untersucht sie das Verhältnis von inneren Bildern zu ihrer materiellen Ausformulierung. In ihrer Bedeutung daher oft kaum greifbar und deutbar, gleichwohl intuitiv verständlich, sind Mumms Arbeiten Grenzgänge zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Zeichnung und Skulptur.

Charlotte Mumm wurde 1980 in Georgsmarienhütte geboren; 2000 bis 2007 Studium der Freien Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Urs Lüthi; 2002 bis 2003 Studium an dem Sichuan Fine Arts Institute in Chongqing, Volksrepublik China; bei Zhong Biao und Yang Shu; 2007 bis 2008 Meisterschülerin bei Urs Lüthi; sie lebt und arbeitet in Amsterdam und Kassel.


Chris Succo

Chris Succo unterzieht klassische Verfahren und Methoden – wie beispielsweise die analoge Fotografie, die Typografie oder den klassischen Bronzeguss – einer Prüfung vor dem Hintergrund aktueller künstlerischer Strategien. Seine Fotografien sind „lediglich“ eine Möglichkeit auf der Suche nach einer stärker durchgestalteten individuellen Bildsprache. Meist unterbelichtet und grobkörnig, sowie zusätzlich durch darüber gesprühtes Graffiti verfremdet, wird eine eindeutige Lesbarkeit von Succos Bildmotiven vorsätzlich erschwert. In seinen jüngsten Arbeiten nutzt er die vielfältigen Möglichkeiten klassischer Gusstechniken, um zu skulpturalen Ergebnissen zu gelangen, die große Ähnlichkeit zu Werbetafeln aufweisen. Diese schei-nen in einer kargen Landschaft aufgestellt zu sein, haben jedoch keine erkennbare Aussage und Funktion. Ganz im Gegensatz zu den Fotos, in denen Sprache noch thematisiert wird, fehlt diese in den Plastiken völlig. Gemeinsam ist diesen Werken die Verweigerung gegenüber jeder Form allzu eindeutiger und womöglich eindimensionaler Aussagen – Kommunikationsverweigerung als Hinweis und künstlerische Strategie.

Chris Succo wurde 1979 in Düsseldorf geboren; 2003 bis 2009 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Georg Herold; 2008 Meisterschüler bei Georg Herold; 2009 Akademiebrief; seit 2009 MFA-Programm am Goldsmiths College, London; er lebt und arbeitet in London und Düsseldorf.