Jan Fabre, Loyalty pisses in death's mouth, 2016, Courtesy: DEWEER GALLERY, Zwevegem, Belgien (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Belgian Thougths

 

Belgian Thoughts

 

12. Oktober 2019 - 26. Januar 2020

 

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:

Michaël Aerts · Berlinde de Bruyckere · Jan de Cock · Jan Fabre ·

Marie-Jo Lafontaine · Kris Martin · Panamarenko ·

Koen Vanmechelen · Andy Wauman

 

 

 

Belgien, als relativ kleines Land innerhalb der Europäischen Union, hat nicht nur in der Vergangenheit große, stilprägende Künstler wie Rogier Van der Weyden, Jan Van Eyck, Pieter Bruegel, Peter Paul Rubens oder Surrealisten wie René Magritte und Marcel Broodthaers hervorgebracht. Auch in der Gegenwart ist die belgische Kunstszene sehr lebendig und viele international bekannte Künstlerinnen und Künstler stammen aus unserem Nachbarland.

In der belgischen Kunst ist immer wieder eine Beachtung und Reflektion von künstlerischen und wissenschaftlichen Errungenschaften europäischer Kulturgeschichte festzustellen. Der menschliche und tierische Körper als geniales, aber fragiles und endliches Phänomen ist zumeist zentrales Thema. Symbole und Darstellungen innerhalb der Werke von christlicher Ikonografie verweisen stets auf die historischen und gesellschaftlichen Prägungen des Heimatlandes. Der barocke Gedanke des "Vanitas" – der Vergänglichkeit und somit die Thematisierung des Morbiden, Geheimnisvollen und Kuriosen von Leben und Tod werden beispielweise in Werken von Künstlern wie Jan Fabre und Michaël Aerts zum Ausdruck gebracht. Der künstlerische Blick richtet sich aber nicht nur in die Vergangenheit, es werden auch Utopien formuliert. So entwickelt Panamarenko fantastische Fahrzeuge für die Luft das Wasser und die Straße, die auf pseudo-wissenschaftlichen Recherchen basieren. Seine Maschinen sind allerdings nicht für die reale Funktion gedacht, sondern erzählen vom Wunsch und dem Scheitern des Menschen seine physischen Möglichkeiten zu steigern. Somit kommt er der Idee der Erweiterung der leiblichen Fähigkeiten eines Leonardo da Vincis nahe. 

Die Themen des Reisens, der Erschließung der Welt über die Kartographie aber auch die Kolonialisierung mit ihren negativen Begleiterscheinungen sind Bestandteil der Werke von Michaël Aerts und Andy Wauman.

Die Video- und Fotokünstlerin Marie-Jo Lafontaine setzt sich übergreifenden Themen wie Identität, Stadt, dem Erlebnisraum von großen Metropolen, Jugend und Jugendkultur auseinander. Ihre großformatigen Porträts zeigen eigenständige Individuen, deren fotografische Präsentationen jedoch jeden Kontext verweigert und deshalb auch offen für Projektionen sind. Der menschliche Körper ist auch Thema von Berlinde de Bruyckere. In ihren Installationen, Skulpturen und Zeichnungen wird die Verletzlichkeit von Mensch und Natur, das menschliche Bedürfnis nach Schutz und Wärme, nach Liebe und Verständnis aber auch die oft brutale Realität, die durch Aggression und Gewalt, Schmerz und Angst beherrscht wird, thematisiert. Zentrales Element in der Kunst von Koen Vanmechelen ist das Huhn, welches er als Kunstobjekt und als Metapher für die Gesellschaft sieht. In seinen Arbeiten vermischt er Kunst, Wissenschaft und Philosophie und reflektiert über die globalen Lebens- und Wirtschaftszusammenhänge. Seit dem späten 1990er Jahren ist er mit seinem Großprojekt „Cosmopolitan Chicken Project (CCP)“ bekannt geworden. Seit über 20 Jahren kreuzt er Hühnerrassen miteinander und dokumentiert die Veränderungen in seiner Kunst.