Dr. Detlef Thierig, 15.11.2013

Bei der Zielkonferenz am 11.11.2013 wurde mir schlagartig bewusst, wie recht viele meiner Freunde hatten, als sie die Teilnahme an den Gesprächen über Kulturentwicklungsplanung ablehnten. Wir werden, sagten sie, als Alibi für eine scheindemokratische Diskussion missbraucht und werden die Situation nicht ändern. Auch ich war skeptisch, doch nicht ohne jede Hoffnung auf interessante Gespräche und Annäherungen zwischen den Konfliktparteien. Deshalb investierte ich eine Menge Zeit in dieses Projekt.
 
Bei der Erörterung der Zusammenfassung der  Visions-Gespräche zerfiel meine letzte Hoffnung und auch die folgende Arbeitsgruppe II konnte mit ihrem Verlauf diesen Eindruck nicht verwischen.
 
Worum geht es genau? Der Text der Zusammenfassung, die die Ergebnisse der Visions-Konferenz wiedergeben sollte, war blumig, inhaltsleer und sollte  offenbar den Eindruck vermitteln: es ist alles gut, wir sind auf dem richtigen Weg, es gibt keine Schwierigkeiten. Kritische Anmerkungen, die bei den Gesprächen häufig geäußert wurden, fehlen ganz. Der Versuch, noch nachträglich eine Bemerkung über die Rückführung des Kulturforums in die Verantwortung des Stadtrates einzufügen, wurde durch die Farce einer Abstimmung verhindert. Erstaunlicherweise wollten noch immerhin knapp die Hälfte der Abstimmenden diese Bemerkung im Text haben. Es war etwas zu wenig, weil sich die meisten Kulturinteressierten schon enttäuscht von den Gesprächen abgewandt hatte.
 
Dazu noch zwei Bemerkungen. 1. kann man über solch einen Punkt nicht abstimmen, denn in eine Zusammenfassung der Ergebnisse gehören alle relevanten Ergebnisse der Gespräche auch hinein, sonst ist es keine Zusammenfassung, sondern z.B. eine Erklärung des Kulturforums. Dass es sich bei der Forderung nach Auflösung des Kulturforums um ein relevantes Gesprächsergebnis handelt, kann weder  qualitativ noch quantitativ in Frage gestellt werden. 2.: wenn es darum gegangen wäre, den Graben zwischen Kulturaktiven und Kulturforum zuzuschütten, wäre hier eine kleine Chance gewesen. Nur Kritik kann hier weiterhelfen, eine affirmative Bestätigung, dass alles gut ist, läuft völlig ins Leere und ist überhaupt nicht konstruktiv.
 
Wer den Wert einer Kritik nicht erkennt und die darin liegenden Chancen nicht wahrnimmt, ist entweder sachblind oder will absichtlich nur die Sichtweise der einen Seite gelten lassen. Wie kann man denn so Brücken bauen?
 
Ich bedanke mich für die Einsicht in die Technik der Manipulation und sehe keinen Grund mehr, an den Gesprächen teilzunehmen.