Gegen das Vergessen

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am ehemaligen KZ-Außenlager Buchenwald in Witten-Annen

Der 27. Januar 1945 war der Tag der Befreiung der Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Im Gedenken an die Opfer legte Bürgermeister Lars König gestern gemeinsam mit Vertretern der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Witten, des Freundeskreises der Israelfahrer e. V. sowie mit Pfarrer Claus Humbert von der Evangelischen Kirchengemeinde Annen am „Ort der Erinnerung ehemaliges KZ-Außenlager Buchenwald in Witten-Annen“ einen Kranz nieder. Im Anschluss sprach Pfarrer Humbert die „Litanei für die Opfer des Nationalsozialismus“. In diesem Jahr fand die Kranzniederlegung aufgrund der Pandemie in einem sehr kleinen Kreis und ohne weitere Wortbeiträge statt.


Gedenken an NS-Verfolgte seit den 1990er Jahren

Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland ein nationaler Gedenktag. Mit diesem Gedenktag wird an alle Opfer des totalitären Nazi-Regimes erinnert – also an Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gesellschaftlich ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, gequält und/oder ermordet wurden. 

Die Stadt Witten, das Stadtarchiv im Kulturforum, Schulen, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Witten, der Freundeskreis der Israelfahrer e. V., Kirchengemeinden, Parteien, Vereine und Verbände erinnern seit über 20 Jahren in Gedenk-, Informations- und Kulturveranstaltungen an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit verschiedenen Formen des Erinnerns wollen die Akteurinnen und Akteure dem Vergessen entgegenwirken, Trauer über den Verlust und das unfassbare Leid der Opfer ausdrücken und über die Entstehung des Nationalsozialismus mit seinen schrecklichen Folgen informieren, um der Gefahr einer Wiederholung entgegenzuwirken.


Die „Litanei für die Opfer des Nationalsozialismus“ im Wortlaut:

„Wir gedenken der Vergessenen, der Verdrängten, der Ermordeten. Wir gedenken derer, denen das Leben genommen wurde. Nicht mal ein Grab, nirgends.

Wir gedenken der Jüdinnen und Juden.

Wir gedenken der Sinti und der Roma.

Wir gedenken der Zwangsarbeiter, Zwangsarbeiterinnen und der Kriegsgefangenen in Europa.

Wir gedenken der Menschen mit Behinderungen.

Wir gedenken der Kommunist*innen, der Sozialdemokrat*innen, der Gewerkschaftler*innen, 

an alle politischen Gegner*innen des Nationalsozialismus hier und in anderen Ländern Europas.

Wir gedenken der Schwulen und Lesben.

Wir gedenken der als sogenannte Asoziale Verfolgten.

Wir gedenken der ernsten Bibelforscher und Bibelforscherinnen und aller anderen Pazifist*innen, der Deserteure.

Wir haben viel versäumt.

Herr Erbarme Dich. Amen.“

(zit. aus: Predigthilfe 27. Januar, hrsg. Aktion Sühnezeichen, Januar 2021, S. 17)


Das KZ-Außenlager Buchenwald in Witten-Annen

Hierbei handelt es sich im Bereich Westfeldstraße / Immermannstraße um die Restfläche eines Areals, das von 1941 als NS-Zwangsarbeitslager und ab September 1944 bis April 1945 als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald diente. Seitdem dieser authentische Ort nationalsozialistischen Verbrechens in den 1980er Jahren von Schülerinnen und Schülern des Albert-Martmöller-Gymnasiums unter der Leitung von Helmut Schorlemer wiederentdeckt wurde, hat das städtische Gelände als Teil des nationalsozialistischen Vernichtungssystems im öffentlichen Gedenken eine zentrale Rolle. 1992 wurde die Fläche unter Denkmalschutz gestellt. Es folgten archäologische Untersuchungen und historische Forschungen, die von der Stadt Witten beauftragt und fachlich begleitet wurden. Einige der seit den 1980er Jahren in diesem Zusammenhang erstellten Schriften sind längst vergriffen oder nur noch als Restexemplare vorhanden. Das Stadtarchiv stellt einige der Werke allerdings digital zum Herunterladen zur Verfügung unter www.kulturforum-witten.de/stadtarchiv/.


Bildtitel mit Bildnachweis: Kranzniederlegung am 27. Januar 2021 v. l. : Tobias Lücke, Dr. Martina Kliner-Fruck (Stadtarchiv), Bürgermeister Lars König, Pfarrer Claus Humbert, Brigitte u. Eckard Obenaus (Freundeskreis der Israelfahrer),
Foto: J. Fruck

(28.01.2021, erstellt von Martina Kliner-Fruck / Jörg Schäfer)