Foto: J. Fruck

Ein Stolperstein für Theodor Schacher

Verlegung am 12.11.2019, Lutherstraße 34, Witten-Mitte

Theodor Schacher, geboren am 26. August 1880 in Haigerloch, Regierungsbezirk Sigmaringen zog 1891 mit seinen Eltern, Moritz und Emma Schacher, und seinen Geschwistern nach Witten in die Hochstraße 16 nahe der Marienkirche. Vor seiner Heirat ging er wiederholt auf Wanderschaft in umliegende Städte im Ruhrgebiet und in den Niederlanden. Im Laufe seines Lebens war Theodor Schacher als Wächter, als Hammergehilfe und auch als Fabrikarbeiter erwerbstätig. Am 10. August 1911 heiratete er in erster Ehe die Verkäuferin Martha Joseph aus Kettwig, die zu ihm in die damalige Bergstraße im heutigen Johannisviertel zog. 1912 kam seine Tochter Hanna und 1914 sein Sohn Alfred zur Welt. Beide Kinder starben im Säuglingsalter. Das Ehepaar zog im Oktober 1914 in die Lutherstraße 34. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 überfiel eine Gruppe von Nationalsozialisten Theodor und Martha Schacher in ihrer Wohnung. Martha Schacher starb wenige Wochen darauf im katholischen Marienhospital in Witten an den Folgen des Überfalls. Theodor Schacher wurde in den folgenden Novembertagen in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und dort bis Dezember 1938 inhaftiert. Nach seiner Freilassung zog er zu Verwandten in die Rosenstraße 7, die sich gegenüber des Wittener Hauptbahnhofs befand. Ab Februar 1939 fand er Unterschlupf in der „Villa Hanf“ im Parkweg 14. Von dort meldete er sich im April 1939 nach Berlin ab. Dort heiratete er am 19. März 1942 in zweiter Ehe vermutlich die 1885 in Memel geborene Rosalie Meyer. Mit ihr wurde Theodor Schacher am 2. März 1943 im Alter von 62 Jahren von Berlin in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Der Stolperstein für Theodor Schacher wurde vom Lions Club Witten Rebecca Hanf gestiftet.


Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Personenstandsunterlagen, Adressbücher, Zeitzeugenberichte, Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried: „...vergessen kann man das nicht“. Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 234; Onlineversion des Gedenkbuchs Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945; Website Statistik des Holocaust, Deportation aus Westfalen nach Theresienstadt 1943-1945.



Foto: J. Fruck