Foto: J. Fruck

Ein Stolperstein für Theodor Katz

Verlegung am 12.11.2019, Steinstraße 25, Witten-Mitte

Hier wohnte auch der Handelsreisende und spätere Kaufmann Theodor Katz, genannt Theo. Er kam am 13. Mai 1882 in Nordhausen zur Welt. Theodor Katz zog im Juni 1922 von Gelsenkirchen nach Witten in die Steinstraße 25, nachdem er kurz zuvor Martha Kaufmann geheiratet hatte. 1923 wurde sein Sohn Alfred und 1926 seine Tochter Liesel geboren. Theodor Katz war u. a. Erster Vorsitzender des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der Ortsgruppe Witten.


Mehrere Zeitzeugen berichteten, dass Theodor Katz in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in seiner Wohnung von Nazis überfallen und zum Humboldtplatz gejagt worden sei. Dort wollte man ihn auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Ein Polizist soll Theodor Katz vor weiteren Misshandlungen gerettet haben. Aufgrund der Verdrängung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben musste Theodor Katz seinen Textilwarenhandel im Dezember 1938 zwangsweise aufgeben. Im April 1939 zog er unfreiwillig mit seiner Familie nach Köln in die Lothringerstraße 39. Anfang Oktober 1942 wurde er ab Köln mit seiner Ehefrau und seiner Tochter in das Ghetto von Theresienstadt deportiert. Am 23. Oktober 1944 verschleppte die SS den damals 62 Jahre alten Theodor Katz in das Vernichtungslager Auschwitz und ermordete ihn. Theodor Katz wurde 1953 durch Beschluss des Amtsgerichts Köln für tot erklärt. Auch an der Lothringerstraße 39 in Köln erinnert ein Stolperstein an Theodor Katz.


Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).


Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Gewerbekartei, Personenstandsunterlagen, Zeitzeugenberichte; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried. „...vergessen kann man das nicht“: Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 109; Onlineversion des Gedenkbuchs Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945.



Foto: J. Fruck