Foto: J. Fruck

Ein Stolperstein für Helene Kaufmann geborene Ries

Verlegung am 12.11.2019, Steinstraße 25, Witten-Mitte

Helene Kaufmann geborene Ries kam am 19. Dezember 1867 als Tochter der Eheleute Minna Ries und des Moses Schmidts Abraham in Detmold zur Welt. 1895 heiratete sie Josef Kaufmann und zog von Steele, heute Essen, zu ihrem Ehemann nach Witten in die Bahnhofstraße 22. Helene Kaufmann wurde Mutter von fünf Kindern. Drei von ihnen starben bereits im Säuglingsalter. Nach dem Tod ihres Sohns Alfred, der mit nur 19 Jahren 1921 verstorben war, zog sie mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter Martha in die Steinstraße 25. Als ihr Ehemann 1936 verstorben war, verkaufte Helene Kaufmann unfreiwillig unter dem zunehmenden Verfolgungsdruck der Nazis das Haus Steinstraße 25 im September 1939. Im Juli hatte sie sich bereits nach Köln, Neue Maastrichter Straße 3 abgemeldet. Inzwischen lebte auch ihre Tochter Martha mit Familie in der Rheinstadt. Anfang Oktober 1942 wurde Helene Kaufmann im Alter von 74 Jahren mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrer Enkelin ab Köln in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebte die KZ-Gefangenschaft und kehrte nach ihrer Befreiung im September 1945 über Detmold nach Witten zurück. Hier war sie kurzzeitig in der Wiesenstraße gemeldet, bevor sie in ihre Geburtsstadt zurückzog. Helene Kaufmann starb im Alter von 81 Jahren im Februar 1949 in Detmold. 

Patinnen und Paten der sechs Stolpersteine vor dem Haus Steinstraße 25 sind: Bündnis 90 Die Grünen, Ortsverband Witten, Piratenpartei Ennepe-Ruhr-Kreis, SPD Ortsverein Witten-Innenstadt und Dr. Jochen Stemplewski. Zwei Stolpersteine stifteten Studierende des IBAM (Integriertes Begleitstudium Anthroposophische Medizin der Universität Witten / Herdecke).


Text: Martina Kliner-Fruck, Quellen: Stadtarchiv Witten: u. a. Meldeinformationen, Gewerbekartei, Personenstandsunterlagen, Best. A, Ausgleichsamt, Sign. 155.2003.2.0791; Stadtarchiv Detmold: Auskunft Gudrun Mitschke-Buchholz; Kliner-Lintzen, Martina; Pape, Siegfried. „...vergessen kann man das nicht“: Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus, Bochum 1991, S. 111.



Foto: J. Fruck