Gedenktafel auf der Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Witten Annen, Foto: J. Fruck

Gegen das Vergessen – Erinnern für die Zukunft

Programm zum Holocaust-Gedenktag 2019 am Sonntag, 27. Januar 2019

9.30 Uhr: Gedenkgottesdienst in der Erlöserkirche in Witten-Annen

Pfarrer Claus Humbert

Veranstaltungsort: Erlöserkirche in 58453 Witten-Annen, Westfeldstraße 81

10.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung des Stadtarchivs Witten „Die Gegenwart von Auschwitz“. Mit Fotografien von Henning Langenheim und Peter Liedtke. Herausgegeben v. Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main 1993. 

(Referentin: Dr. Martina Kliner-Fruck)

Veranstaltungsort: Erlöserkirche in 58453 Witten-Annen, Westfeldstraße 81

11.15 Uhr: Stille Kranzniederlegung auf der Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Witten-Annen

Veranstaltungsort: Erinnerungsort Westfeldstraße, 58453 Witten, Immermannstraße/Ecke Westfeldstraße

Im Anschluss Führung über die Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Witten-Annen (Referent: Ralph Klein)

Veranstaltungsort: Erinnerungsort Westfeldstraße, 58453 Witten, Immermannstraße/Ecke Westfeldstraße

Veranstalter: Stadt Witten, Stadtarchiv im Kulturforum Witten, Evangelische Kirchengemeinde Witten-Annen, Freundeskreis der Israelfahrer e. V., Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Witten, Arbeitskreis „Stolpersteine in Witten“

Die Gegenwart von Auschwitz – eine Ausstellung des Stadtarchivs Witten

Das Stadtarchiv Witten zeigt nochmals die 1995 im Märkischen Museum Witten präsentierten zehn schwarz-weißen und zehn Farb-Fotografien der Künstler Henning Langenheim und Peter Liedtke. Sie wurden zwischen 1987 und 1992 auf dem Gelände der Gedenkstätte Auschwitz aufgenommen. Die Bilder dokumentieren die damalige Gegenwart des Ortes. Ihnen sind in provozierender Absicht auf A1-Plakaten Zitate von Ermordeten und Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers gegenübergestellt.

Gleichzeitig zeigt der Arbeitskreis „Stolpersteine in Witten“ nochmals seine 16 Ausstellungsstelen zum Projekt Stolpersteine, die in Kooperation mit dem Stadtarchiv Witten entstanden und mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Demokratie Leben“ gefördert wurden. Beide Ausstellungen können in der Zeit vom 27.01.-28.02.2019 von Schulklassen (möglichst donnerstags von 10-12 Uhr) nach Anmeldung beim Stadtarchiv Witten, Kontakt: stadtarchiv@stadt-witten.de oder telefonisch unter: 02302 581-2415 besichtigt werden.

Der Holocaust-Gedenktag 

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1996 ein gesetzlich verankerter Gedenktag. Er erinnert an alle Opfer - weiblichen, männlichen und unbestimmten Geschlechts - des totalitären Nazi-Regimes: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Menschen des Widerstands, Kriegsgefangene und Deserteure, Frauen und Männer in Wissenschaft und Kunst, Zwangsarbeitende - Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gesellschaftlich ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden. 2005 wurde der 27. Januar, in Anlehnung an den Tag der Befreiung von Auschwitz durch Einheiten der Roten Armee am 27. Januar 1945, von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. 

Auschwitz

Auschwitz-Birkenau steht symbolisch für alle Verbrechen und den millionenfachen Mord des NS-Regimes. Das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager wurde 1940 auf Befehl des Reichsführers-SS und Chefs der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, etwa 60 km westlich von Krakau errichtet. Das Gelände befand sich nahe der Stadt Oswiecim im polnischen Ostoberschlesien. 

Zunächst wurden 300 Juden aus der näheren Umgebung für Bauarbeiten herangezogen. Ab Juni 1940 trafen die ersten SS-Gefangenentransporte in Auschwitz ein, und Anfang März 1941 waren bereits 10.900 Gefangene registriert. Ein Jahr später befahl Himmler den Bau eines zweiten Lagerkomplexes, Auschwitz II oder Birkenau genannt. Anschließend wurde ein drittes Lager - Auschwitz III - im nahe gelegenen Monowitz errichtet. Im Lauf der Zeit entstanden weitere Nebenlager. Die meisten Gefangenen wurden in Birkenau eingeliefert - in der Mehrzahl jüdische Menschen aus Deutschland und Polen.

Im Juni 1941 erhielt der erste Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, von Himmler den Auftrag zur Errichtung von Massenvernichtungsanlagen für die „Endlösung“ der Judenfrage. Der systematische und in Arbeitsteilung begangene Massenmord erfolgte ab Januar 1942. Die ersten Opfer waren Jüdinnen und Juden aus Oberschlesien, die mit Zyklon B ermordet wurden. Ab Mai 1942 fanden die ersten Selektionen in so genannte arbeitstaugliche und arbeitsunfähige Häftlinge statt. Alte, schwache, kranke Menschen sowie Schwangere und Kinder aus den „Judentransporten“ des Reichssicherheitshauptamtes wurden direkt nach ihrer Ankunft selektiert und ohne Registrierung in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Die fabrikmäßige Ermordung der Menschen in Auschwitz, ihre gezielte, brutale Vernichtung durch Zwangsarbeit und die entsetzlichen medizinischen Versuche an ihnen sind für uns heute nach wie vor unfassbar - das Leid der Opfer ist unermesslich. 

Die SS betrieb die Gaskammern von Auschwitz zwei Jahre und zehn Monate. Allein in diesem nationalsozialistischen Vernichtungslager wurden mehr als eine Millionen Frauen, Männer und Kinder auf bestialische Weise ermordet. Als am 27. Januar 1945 Einheiten der Roten Armee in Auschwitz einrückten, fanden sie lediglich noch 7.600 Häftlinge lebend vor. Um Spuren zu verwischen, trieb die SS etwa 58.000 Gefangene auf die so genannten Todesmärsche. Die sowjetischen Befreier entdeckten am 27. Januar 1945 beispielsweise noch 843.000 Männeranzüge, 837.000 Damenmäntel und -kleider und große Mengen an Kinder- und Babykleidung. Sie fanden 44.000 Paar Schuhe und über sieben Tonnen Menschenhaar, verpackt für den Transport zur industriellen Verwertung. 

Ort der Erinnerung: Restfläche der ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlager an der Westfeldstraße

Eine Restfläche der ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlager an der Westfeldstraße diente in Teilen von Mitte September 1944 bis Ende März 1945 als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. Das Gelände steht seit 1992 unter Denkmalschutz und ist heute Teil städtischer Erinnerungskultur.



Bildnachweis: Gedenktafel auf der Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Witten Annen, Foto: J. Fruck