Werbung der Glocken- und Metallgießerei Karl Munte, Witten, Rosenstraße 14 um 1910, aus: Witten in Handel und Gewerbe. Ein Nachschlagebuch aus den verschiedensten Gebieten Wittener Geschäftslebens. Hg. Friedr. Goebel, Hofphotograph. Witten, II. Aufl., o. J. [um 1910], Bl. 1, Stadtarchiv Witten, VerNa 126.

Aufruf an alle Glockeneigentümer

„Friede sei ihr erst Geläute“ – Europaweites Glockenläuten zum Internationalen Friedenstag am 21. September im Europäischen Kulturerbejahr 2018


Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 rufen der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, das Kulturbüro der Evangelischen Kirche Deutschland, das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) alle Glockenbesitzer zur Beteiligung am europaweiten Glockenläuten am Internationalen Friedenstag, 21. September 2018, von 18 bis 18:15 Uhr mitteleuropäische Sommerzeit, auf.

„In Europa gab die Glocke über 1000 Jahre lang mit ihrem Rhythmus die Zeit zur Arbeit, zur Muße und zum Gebet vor. Die Glocken in den Türmen der Kirchen und Rathäuser, in den Glockenstühlen der Friedhöfe und Gedenkstätten sind ein einzigartiges hör- und sichtbares Zeichen des europäischen Wertefundaments. Viele Menschen lieben den Glockenklang, denn er ist ein textloser, neutraler Naturton-Klang, mit dem eine 5000 Jahre alte handwerkliche Tradition verbunden ist. Der Glockenklang ist interkulturell: Ob Domglocke, buddhistische Tempelglocke, Shinto-Schrein-Glocke – Glocken vermitteln jenseits von Sprachgrenzen Feierlichkeit, Zeitmarkierung, Transzendenz und die Sehnsucht nach Frieden. 2018 erinnern wir uns – auch um uns des Wertes des Friedens in Europa zu vergewissern – an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und an Ausbruch und Ende des Dreißigjährigen Krieges. Das gemeinsame Glockenläuten soll hierfür ein starkes solidarisches Symbol sein.“
(vgl. https://sharingheritage.de/europaweites-glockenlaeuten/)


Tragen Sie Ihre Glocke online ein!

Auf folgender Website können alle teilnehmenden Glocken auf einer interaktiven Karte darstellt und auch online zum Klingen gebracht werden: https://sharingheritage.de/europaweites-glockenlaeuten/
Falls vorhanden, können auch ein Bild, eine Audiodatei des Glockenklangs und eine Beschreibung der Glocke hochgeladen werden.


Witten hofft auf rege Beteiligung am europaweiten Friedensläuten

Die Evangelische Johannis-Kirchengemeinde Witten wird das Geläut der Johanniskirche und die Glocke auf dem Evangelischen Friedhof Pferdebachstraße klingen lassen. In Annen ist die Erlöserkirche und selbstverständlich die Friedenskirche dabei. Weitere Kirchengemeinden werden am Projekt teilnehmen. Das städtische Betriebsamt prüft derzeit, ob die Glocke auf dem städtischen Hauptfriedhof am Abend des 21. Septembers von 18:00 bis 18:15 Uhr läuten kann. Vielleicht finden sich sogar einige restaurierungsbedürftige Glocken in Privatbesitz, die zum europaweiten Friedensläuten von ihren Eigentümern wieder intakt gebracht werden können.

Das Stadtarchiv Witten erinnert in diesem Zusammenhang an die ehemalige Glocken- und Metallgießerei Karl Munte, gegründet 1864, die bis 1957 in der früheren Rosenstraße 14 in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs firmierte. Im Zuge eines geplanten Neubaus wurde der Abbruch des Gießereigebäudes 1987 genehmigt. Die vor dem Abriss der Werkstatt erstellte Bilddokumentation überließ der Fotograf Davide Bentivoglio dem Stadtarchiv zur Archivierung, denn Glocken der Firma Munte waren in der weiteren Umgebung von Witten und über das Ruhrtal hinaus bekannt. Im Märkischen Museum der Stadt Witten befindet sich heute noch eine „Munte-Glocke“, gegossen 1894. Es handelt sich um die Schulglocke der ehemaligen Lakeschule. Ein weiteres Stück Kulturerbe, das vor einer Beschlagnahmung für Kriegszwecke im Ersten und Zweiten Weltkrieg gerettet werden konnte, befindet sich gesichert im Museumsbestand: die etwa 50 Kilogramm schwere Glocke des früheren Gutshofs Langendreer, angefertigt 1738 von Jean Petit.

Am 12. Mai 1917 begutachtete ein Fachmann der Firma Munte beim Verein für Orts- und Heimatkunde eine weitere, 75 Kilogramm schwere Glocke. Sie war ein Jahr zuvor, 1916, bei Instandsetzungsarbeiten der obersten Turmspitze der Johanniskirche entdeckt worden. Seit September 2003 befindet sich das 1485 gegossene ehemalige Museumsexponat mit der Inschrift „Sancta Maria MCCCC LXXXV Ecce cure!“ des Glockengießers Hildebrand van Iserlohn im Evangelischen Johanniszentrum Witten.
Quellen: u.a. Stadtarchiv Witten, W-Alt, Glockenbeschlagnahme 1917-1922, Sign. 1.14.5, Bd. 2; http://www.glockengiesser-munte.homepage.t-online.de/HomepageClassic01/index.htm


Informationen zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 – SHARING HERITAGE

In diesem Themenjahr fordert die Europäische Kommission auf, dazu beizutragen, Europa den Europäern und Europäerinnen wieder ein Stück näher zu bringen, gemeinsam einen Blick auf das kulturelle Erbe und die gemeinsame europäische Geschichte zu werfen und diese weiter zu erzählen: das Gemeinsame und das Verbindende stehen im Mittelpunkt des europäischen Kulturerbejahrs 2018. In der Bundesrepublik Deutschland koordiniert die Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz in Abstimmung mit Bund, Ländern und Kommunen die Durchführung des Themenjahrs. Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist Schirmherr für SHARING HERITAGE. Mitwirken können alle öffentlichen und privaten Träger wie beispielsweise Museen, Archive, Gedenkstätten, Bibliotheken, Verwaltungen, Vereine, Fachverbände und Förderkreise. Selbstverständlich sind die Projekte für die Zivilgesellschaft und das ehrenamtliche Engagement geeignet, also für jede und jeden, die/der das Anliegen unterstützen oder mehr darüber erfahren möchten. Weitere Informationen finden Sie auf der Website: https://sharingheritage.de/kulturerbejahr/


Friedenstage im September

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) erklärte auf ihrer Jahresversammlung 1981 den 21. September zum Weltfriedenstag bzw. zum „International Day of Peace“. Mit der UN-Resolution 55/282 wurde 2001 einstimmig entschieden, den 21. September weltweit entsprechend als Tag der Gewaltlosigkeit und des Waffenstillstands zu begehen. In der Bundesrepublik Deutschland erinnern der Deutschen Gewerkschaftsbund und zahlreiche Initiativen am 1. September, dem „Antikriegstag“, mit Veranstaltungen und einem Bekenntnis für Frieden und gegen Krieg an den Beginn des Zweiten Weltkriegs, der durch den deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 ausgelöst wurde.


Text: M.K-F, Stadtarchiv Witten


Bildnachweis: Werbung der Glocken- und Metallgießerei Karl Munte, Witten, Rosenstraße 14 um 1910, aus: Witten in Handel und Gewerbe. Ein Nachschlagebuch aus den verschiedensten Gebieten Wittener Geschäftslebens. Hg. Friedr. Goebel, Hofphotograph. Witten, II. Aufl., o. J. [um 1910], Bl. 1, Stadtarchiv Witten, VerNa 126.