Gedenkveranstaltung am Holocaust-Gedenktag 2015; Foto: Jörg Fruck

Holocaust-Gedenktag

Öffentliche Veranstaltung mit Kranzniederlegung am ehemaligen KZ-Außenlager

Vor 71 Jahren wurde das KZ- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Aus diesem Anlass sind alle Wittener Bürgerinnen und Bürger am 27. Januar (Mittwoch) herzlich zur Teilnahme an einer feierlichen Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag eingeladen. Treffpunkt ist um 13 Uhr auf der Restfläche des ehemaligen KZ-Außenlagers in Witten-Annen an der  Westfeldstraße.

Nach einem Grußwort von stellvertretender Bürgermeisterin Beate Gronau werden Emma Beke Bandmann (18), Jasmin Bruns (19) und Cem Zor (16) die diesjährige Gedenkrede halten. Die drei Schülervertreter/innen der Holzkamp-Gesamtschule Witten erarbeiteten ihren Beitrag auf der Basis von Archivquellen, die im Stadtarchiv überliefert sind. Im Anschluss an die diesjährige Gedenkrede folgt die Kranzniederlegung. Stadt Witten, das Stadtarchiv im Kulturforum Witten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Witten und der Freundeskreis der Israelfahrer e. V. in Kooperation mit der Holzkamp-Gesamtschule laden gemeinsam zu der Gedenkveranstaltung ein. Fragen zur Restfläche und den dortigen  archäologischen Ausgrabungen beantworten vor Ort der städtische Denkmalpfleger Florian Schrader (Planungsamt) und die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Martina Kliner-Fruck (Kulturforum).


Ausstellung „Die Mädchen von Zimmer 28, L 410 Theresienstadt“

Die Veranstalter machen außerdem darauf aufmerksam, dass am 27. Januar die Wanderausstellung: „Die Mädchen von Zimmer 28, L 410 Theresienstadt“ noch von 14 bis 18 Uhr im Foyer der Rudolf Steiner Schule Witten, Billerbeckstraße 2, besucht werden kann. Um 17 Uhr werden Wolfgang Dornwald (u.a. Regie der Kinderoper Brundibar mit dem Kinderchor „Ruhrpottspatzen“) und Dr. Martina Kliner-Fruck (Leiterin des Stadtarchivs Witten) die Ausstellung mit einem gemeinsamen Programm und Erinnerungen Wittener Jüdinnen und Juden an das „Ghetto“ Theresienstadt beenden. Das Stadtarchiv wird vor Ort mit einem Büchertisch präsent sein.


Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

In der Bundesrepublik Deutschland ist der 27. Januar seit 1996 als Tag der Befreiung des KZ- und Vernichtungslager Auschwitz  ein gesetzlich verankerter Gedenktag. Er erinnert an alle Opfer des totalitären Regimes in der NS-Zeit: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Frauen und Männer des Widerstands, Kriegsgefangene und Deserteure, Wissenschaftler und Künstler, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gesellschaftlich ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.

2005 wurde der 27. Januar - in Anlehnung an den Tag der Befreiung von Auschwitz durch Einheiten der Roten Armee am 27. Januar 1945 - von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. An öffentlichen Gebäuden werden die Flaggen an diesem Tag auf Halbmast gesetzt.


Auschwitz: Konzentrations- und Vernichtungslager

„Auschwitz“ gilt heute als Inbegriff des Bösen. Auschwitz steht symbolisch für alle Verbrechen und den millionenfachen Mord des NS-Regimes. Das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager wurde 1940 auf Befehl des Reichsführers-SS und Chefs der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, etwa 60 km westlich von Krakau errichtet. Das Gelände befand sich nahe der Stadt Oswiecim im polnischen Ostoberschlesien.

Zunächst wurden 300 Juden aus der näheren Umgebung für Bauarbeiten herangezogen. Ab Juni 1940 trafen die ersten SS-Gefangenentransporte in Auschwitz ein, und Anfang März 1941 waren bereits 10.900 Häftlinge registriert. Ein Jahr später befahl Himmler den Bau eines zweiten Lagerkomplexes, Auschwitz II oder Birkenau genannt. Anschließend wurde ein drittes Lager - Auschwitz III - im nahe gelegenen Monowitz errichtet. Im Lauf der Zeit entstanden weitere Nebenlager. Die meisten Gefangenen wurden in Birkenau eingeliefert - in der Mehrzahl jüdische Menschen aus Deutschland und Polen.

Im Juni 1941 erhielt der erste Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, von Himmler den Auftrag zur Errichtung von Massenvernichtungsanlagen für die „Endlösung“ der Judenfrage. Der systematische und in Arbeitsteilung begangene Massenmord erfolgte ab Januar 1942. Die ersten Opfer waren Juden aus Oberschlesien, die mit Zyklon B ermordet wurden. Ab Mai 1942 fanden die ersten Selektionen in so genannte arbeitstaugliche und arbeitsunfähige Häftlinge statt. Alte, schwache, kranke Menschen sowie Schwangere und Kinder aus den „Judentransporten“ des Reichssicherheitshauptamtes wurden direkt nach ihrer Ankunft selektiert und ohne Registrierung in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Die fabrikmäßige Ermordung der Menschen in Auschwitz, ihre gezielte, brutale Vernichtung durch Zwangsarbeit und die entsetzlichen medizinischen Versuche an ihnen sind für uns heute nach wie vor unfassbar - das Leid der Opfer ist unermesslich.

Die SS betrieb die Gaskammern von Auschwitz zwei Jahre und zehn Monate. Allein in diesem nationalsozialistischen Vernichtungslager wurden mehr als eine Millionen Frauen, Männer und Kinder auf bestialische Weise ermordet. Als am 27. Januar 1945 Einheiten der Roten Armee in Auschwitz einrückten, fanden sie lediglich noch 7.600 Häftlinge lebend vor. Um Spuren zu verwischen, trieb die SS etwa 58.000 Gefangene auf die so genannten Todesmärsche. Die sowjetischen Befreier entdeckten am 27. Januar 1945 beispielsweise noch 843.000 Männeranzüge, 837.000 Damenmäntel und -kleider und große Mengen an Kinder- und Babykleidung. Sie fanden 44.000 Paar Schuhe und über sieben Tonnen Menschenhaar, verpackt für den Transport zur industriellen Verwertung.


Ort der Erinnerung: KZ-Restfläche Westfeldstraße in Witten-Annen

Die Restfläche des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers an der Westfeldstraße, das von Mitte September 1944 bis Ende März 1945 in Teilen als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald diente, steht seit 1992 unter Denkmalschutz und ist heute Teil städtischer Erinnerungskultur.


Literatur zum Thema

Klein, Ralph: Das KZ-Außenlager in Witten Annen. Geschichte, städtebauliche Nutzung und gesellschaftspolitischer Umgang seit 1945. LIT VERLAG, Berlin 2015. [171 S.] ISBN: 978-3-643-13109-6
[Im Buchhandel erhältlich]

Das Konzentrationslager Witten-Annen: Ein Außenkommando des KZ Buchenwald. Hg. Klasse 10a des Albert-Martmöller-Gymnasiums im Schuljahr 1984/1985. [11 S.] [Im Nutzerraum des Stadtarchivs Witten einsehbar].

Völkel, Klaus. „Hier ruhen 22 Genossen zu Tode gequält...“: Gedenkschrift für die Opfer der Zwangsarbeit in Witten, 1941-1945. Hg. Stadt Witten. Verlag Dr. Dieter Winkler. Bochum 1992. [87 S.] [Vergriffen, im Nutzerraum des Stadtarchivs Witten einsehbar].

Grieger, Manfred; Völkel, Klaus. Das Außenlager „Annener Gußstahlwerk“ (AGW) des Konzentrationslagers Buchenwald September 1944 - April 1945. Hrsg. Stadt Witten, der Stadtdirektor, Stadtarchiv. Essen 1997. [96 S.]. [Restexemplare sind für 10 € zugunsten des Stadtgeschichtsfonds im Stadtarchiv Witten erhältlich].

Künstlerischer Ideenwettbewerb zu einer Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Witten-Annen: Dokumentation. Hg. Stadt Witten, Planungsamt. Witten 1993. [103 S.] [Die Dokumentation ist zum Preis von 2,50 € zugunsten des Stadtgeschichtsfonds im Stadtarchiv Witten erhältlich].