Die Wittener Synagoge neben dem Ruhr-Gymnasium (links) 1911; Foto: Ernst Roepke / Repro: J. Fruck, Fotosammlung Stadtarchiv Witten

Erinnern am 9. November 2015

„Darüber weine ich so, und mein Auge fließt von Tränen...“ (Klagelieder Jeremias 1.16) - Erinnern am 9. November 2015 am Ort der ehemaligen Wittener Synagoge

In diesem Jahr erinnerte man an vielen Orten Europas mit Feierlichkeiten an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch jährt sich zum 77. Mal die Reichspogromnacht, auch Reichskristallnacht genannt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangsalierten Anhänger des nationalsozialistischen Unrechtsregimes jüdische Bürger und Bürgerinnen im damaligen Deutschen Reich. Sie zerstörten ihre Wohnungen, Geschäfte und Friedhöfe und setzten über 1400 Synagogen und Gebetsräume in Brand. Etwa 30.000 Menschen wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt, Hunderte wurden ermordet, in den Suizid getrieben oder starben infolge der Haftbedingungen.

In Witten steckten Nationalsozialisten das vor 130 Jahren erbaute jüdische Gotteshaus in Flammen. Die Wittener Zeitung hatte die Synagoge im Einweihungsjahr 1885 noch stolz mit den Worten beschrieben: „Der schöne Tempel ist eine neue imposante Zierde unter den öffentlichen Gebäuden unserer Stadt Witten und macht seinem Erbauer [gemeint war der Architekt Xaver Rademacher, Anm. d. Verf.] alle Ehre und die besten Empfehlungen.“ Wittener Juden wurden in der Nacht des 9. und am Morgen des 10. November 1938 in Haft genommen und meist über das Polizeigefängnis Bochum in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.

Im August 1939 waren die Abbrucharbeiten an der zerstörten Synagoge beendet. Abgebrochene Steine lagen mit noch verwendbarem Baumaterial gestapelt auf dem Grundstück, um sie für den geplanten Neubau eines Wohnhauses zu verwerten.

 

Beginn der Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung um 18 Uhr

Der 9. November ist seit Mitte der 1980er-Jahre Teil der Erinnerungskultur in Witten. In Erinnerung an die rassistisch motivierten Verbrechen im November 1938, die den Auftakt zur so genannten Endlösung bildeten und zur Auslöschung der jüdischen Gemeinde in Witten führten, rufen die Stadt Witten, das Kulturforum Witten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, AG Witten, und der Freundeskreis der Israelfahrer e. V. zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung am Ort der ehemaligen Synagoge, Breite Straße Ecke Synagogenstraße, auf. Wie in den Vorjahren werden sich verschiedene Initiativen, Verbände, Parteien, Gruppen und Einzelpersonen sowie Schulen dem Aufruf anschließen.

Nach der Begrüßung durch die Bürgermeisterin Sonja Leidemann werden Schülervertreter zweier Schulen die diesjährige Gedenkrede erstmals in Kooperation halten. Für das Ruhr-Gymnasium spricht Hanno Keller (Jahrgangsstufe 11), für die Holzkamp-Gesamtschule Emma Beke Bandmann (Jahrgangsstufe 13). Im Anschluss an die Wortbeiträge folgt die Kranzniederlegung.

Wie in den Vorjahren wird darum gebeten, vor dem Synagogendenkmal auf das Tragen von Fahnen und Bannern zu verzichten.