Ruhrlights 2010

Ruhrlights: Twilight Zone - Lichtkunst an der Ruhr

Im September 2010 setzte die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 ein weiteres Highlight – im wahrsten Sinne des Wortes: Elf Lichtkünstler bespielten die Ruhr, die Lebensader und große Ost-West-Verbindung der Region. An sieben Orten entlang der Ruhr schufen Lichtkunstinstallationen vom 3. bis zum 26. September 2010 eine ganz besondere, unerwartete Atmosphäre und tauchten das Ruhrtal in ein neues Licht. Das Wittener Lichtkunstwerk ist am Ort verblieben und wird zu festgelegten Zeiten zu sehen sein.

Andreas M. Kaufmann: „Dem Ort seine Sprache“
Welche Geheimnisse bergen die Mauern der an der Ruhr gelegenen Burgruine Hardenstein in Witten? Mit seiner Lichtarbeit „Dem Ort seine Sprache“ entlockt Andreas M. Kaufmann dem Mauerwerk für einen Moment das Geheimnisvolle. Wie eine zweite Haut überziehen aneinandergereihte Wörter die Ruine. Sie stammen aus einer regionalen enzyklopädischen Sammlung.

Der Künstler selbst zu seinem Konzept:
„Das (...) Kunstwerk ‚Dem Ort seine Sprache’ (...) setzt sich mit der oft als ‚Ruhrdeutsch’, ‚Pottdeutsch’, ‚Ruhrpöttisch’, ‚Kumpelsprache’ etc.  bezeichneten Ruhrgebietssprache auseinander. Es dürfte nicht falsch sein, zu sagen, dass ‚Ruhrdeutsch’ genauso nachhaltig zur Ausprägung der für das Ruhrgebiet immer noch weitgehend typischen Identität beigetragen hat, wie es auch der Bergbau, die Kirche, die Taubenzucht, der Fußball, die praktizierte Solidarität oder die gemeinsame Erfahrung auf Zechen und in Hütten getan hat. Der postindustrielle Verlust der Eigenart hat vor allem in den Ballungszentren des Potts zum zunehmenden Verlust der einst voll und ganz zur Identität der Region gehörenden Sprachform geführt. Heute existiert sie dort fast nur noch im Zwielicht der Überformung durch die Schriftsprache. Doch je weiter man sich von den Stadtzentren entfernt, desto präsenter wird diese variantenreiche Mundart als gesprochene Sprache wieder. Schaut man etwa in das Verlagsprogramm von Henselowsky Boschmann in Bottrop, in dem nicht nur ein Wörterbuch der Ruhrgebietssprache zu finden ist, sondern vor allem auch ganz viel Literatur, wird deutlich, wie lebendig das Ruhrdeutsch bis heute ist.

In Form eines zweiteiligen Kunstwerks soll dieser, den Künstler immer schon auf seltsame Weise berührenden Sprache ein quasi immaterielles Denkmal gesetzt werden – flüchtig und seinen eigenen Regeln gehorchend, wie jede Sprache im Grunde selbst. Orte der Installation werden die Wittener Burgruine Hardenstein und eine Wand auf dem Gelände der Hattinger Henrichshütte, deren einstige Funktion wohl nur noch zu erraten ist.

Zu sehen sein wird eine aus je drei bzw. vier Projektionen bestehende Installation, welche die jeweiligen Architekturen und die im Strahlengang stehenden Bepflanzungen bespielt. Projiziert wird eine repräsentative Auswahl des oben genannten Wörterbuchs, wobei die Wörter ohne Erklärungen und in alphabethischer Reihenfolge von rechts nach links und von oben nach unten die unterschiedlichen Wandflächen der Bauwerke hervorheben. So geben die Bauwerke die Form der Wortprojektionen vor.

Das zugrunde liegende Konzept der Projektionen will die Sprache in der Region, in der sie gesprochen wird, an bestimmten Orten als unmanipuliertes Rohmaterial mit den Mitteln und Strategien der zeitgenössischen Kunst verdichten. Die Verdichtung benötigt keine literarischen Texte; sie wird nämlich nicht durch das, was Ruhrdeutsch bezeichnet, erzeugt, sondern durch die gelungene visuelle Verortung. Diese funktioniert, wie schon bei den technischen Proben gesehen, unter anderem über die Analogie zwischen der grafischen Struktur der bloßen Wörter und dem Natursteinmauerwerk der spezifischen Orte in Witten und Hattingen.“

Für die Realisierung des Wittener Projekts bedanken wir uns bei der Wabe mbH, den Burgfreunden Hardenstein e.V., den Stadtwerken Witten und der GÜLICH GRUPPE Gebäudedienste.

 

Gegenwärtig werden Restaurierungsarbeiten an Hardenstein durchgeführt. Während dieser Zeit ist die Lichtkunst ausgeschaltet.

Ort: Ruine Hardenstein, Hardensteiner Weg, 58456 Witten (nur zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen).

Tipp: bester Blick auf das Kunstwerk vom „Königlichen Schleusenwärterhäuschen", Insel 1, 58456 Witten.

Kontakt: Hans Werner Tata, Tel. 02302/581-2486.