Start in ein neues Projekt: Schülerinnen und Schüler des Ruhr-Gymnasiums putzten Stolpersteine

    Wo in Witten wohnten zuletzt Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und in einigen Fällen auch ermordet wurden? Diese Frage stellten sich am vergangenen Dienstag 20 Schülerinnen und Schüler des Ruhr-Gymnasiums, als sie in Begleitung ihres Lehrers und Mitarbeitenden des Kulturforums und des Stadtarchivs Witten zwölf Stolpersteine an fünf Verlegeorten in der Umgebung ihrer Schule putzten. Der Rundgang führte vom Ruhr-Gymnasium in der Synagogenstraße über die Breite Straße, Nordstraße, Beethovenstraße, Johannisstraße und Mozartstraße zurück zur Schule.
     

    Erstellt wird eine neue digitale Karte zu Wittener Stolpersteinen

    Die 14 bis 16-Jährigen gehören einer Projektgruppe im Wahlpflichtbereich an, die sich ausdrücklich für ein Thema aus der NS-Zeit ausgesprochen hat. Daher war das Putzen für die Jugendlichen zugleich der Auftakt für das Erstellen einer neuen digitalen Stadtkarte zu Wittener Stolpersteinen. Neben den letzten Wohnorten in Witten dokumentieren die Schülerinnen und Schüler darin die Biografien von Ermordeten und Überlebenden auch anhand von Quellen des Stadtarchivs.
     

    Auseinandersetzung mit den Schicksalen

    „Im Gegensatz zu früheren Generationen haben Jugendliche heute keine Gelegenheit mehr, im persönlichen Gespräch mit ihren Großeltern etwas zum Nationalsozialismus und zum Zweiten Weltkrieg zu erfahren. Umso wichtiger ist ihre Auseinandersetzung mit den Stolpersteinen und den damit verbundenen Schicksalen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld“, sagte Lehrer Christian Maloveršnik. Die Schülerinnen und Schüler selbst fanden das Putzen, wie Jule, „gut, um die Menschen zu würdigen“ und, wie Ihsan, um „mehr Wissen“ zu schaffen. Angesichts einiger positiver Reaktionen aus der Wittener Bevölkerung freute sich Lukas darüber, dass das Putzen offenbar „gern gesehen“ wird. Luisa und Jakob wiederum waren sich einig, dass das Putzen bei ihnen länger im Gedächtnis bleiben wird, da es „nichts Alltägliches“ darstellt. 
    Bis heute wurden seit dem Jahr 2014 in Witten 108 Stolpersteine verlegt. Eine Karte und Übersicht mit allen Stolpersteinen ist, ebenso wie eine Putzanleitung, über die Homepage des Stadtarchivs https://www.kulturforum-witten.de/de/stadtarchiv/service/stolpersteine-in-witten/ abrufbar.