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MIGRANTENNALE 2025
Migration als Ästhetik, globale Verflechtungen & Süd-Süd-Komplizenschaften – ein künstlerisch initiiertes und geleitetes Residenzprogramm und Festival für zeitgenössische Kunst
Festival: 21.–24. August 2025 | Saalbau Witten
Künstlerische Residenz: 4.-20. August 2025| Saalbau Witten
Die MIGRANTENNALE ist ein künstlerisch initiiertes und geleitetes Residenzprogramm und Festival für zeitgenössische Kunst. Die erste Ausgabe fand vom 21. bis 24. August 2025 im Saalbau Witten statt. Konzipiert und kuratiert wurde das Festival von Paulina Abufhele, Gabs (Gabriel) Carneiro und Bianca Mendonça.
Ausgehend von ihren eigenen künstlerischen Praxen entwickelten sie ein Festival, das Migration nicht als Thema oder Identitätsmarker versteht, sondern als ästhetische Praxis: als eine Weise, Kunst zu produzieren, Wissen zu verhandeln und Gegenwart in einer global verflochtenen Welt zu reflektieren. Insgesamt wirkten 52 Künstler*innen an der MIGRANTENNALE mit.
Über 800 Besucher*innen nahmen an dem vielsprachigen, dichten und nachdenklichen Programm teil. Die MIGRANTENNALE erreichte ein neues, sehr diverses Publikum und eröffnete dem Saalbau Witten neue Zugänge zu zeitgenössischer Kunst aus globalen Perspektiven.
Migration als Ästhetik – künstlerischer Ansatz des Festivals
Der Ansatz der MIGRANTENNALE basiert auf einer ästhetischen Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit, der global verflochtenen Gegenwart sowie mit kolonialen Kontinuitäten und extraktivistischen Logiken, die bis heute Körper, Räume, Wissensordnungen und künstlerische Produktionsbedingungen prägen.
Die eingeladenen Arbeiten verhandeln Sprache und Übersetzung als Machtverhältnisse, Wissensweitergabe zwischen Generationen, Erinnerungspolitiken und Formen von Widerstand. Migration erscheint dabei nicht als biografische Zuschreibung, sondern als produktive, konflikthafte Kraft, die ästhetische Entscheidungen, Materialien, Erzählweisen und Arbeitsprozesse bestimmt.
Ein besonderer Fokus liegt auf globalen Verflechtungen und Süd-Süd-Beziehungen, die sich jenseits eurozentrischer Perspektiven entfalten.
Ein Festival von Künstler*innen aus global vernetzten Praxen
Die MIGRANTENNALE richtete sich gezielt an Kunstschaffende aus dem sogenannten Globalen Süden, die in Nordrhein-Westfalen leben und arbeiten. Angesprochen wurden künstlerische Positionen, deren Arbeiten sich aus Erfahrungen globaler Verflechtung speisen und Migration als ästhetische Praxis reflektieren.
Der Open Call formulierte bewusst keine Erwartungen an Repräsentation oder Herkunft, sondern benannte klare inhaltliche und ästhetische Fragestellungen: Mehrsprachigkeit, koloniale Nachwirkungen, Extraktivismus, Wissenszirkulation sowie zeitgenössische Formen von Zugehörigkeit und Erinnerung.
Vier Tage zeitgenössische Kunst – offen und vielsprachig
Vom 21. bis 24. August 2025 präsentierte die MIGRANTENNALE im Saalbau Witten ein spartenübergreifendes und kostenfreies Programm aus Tanz, Theater, Medienkunst, Installation, Performance, Musik und Malerei. Viele Formate waren partizipativ angelegt und luden das Publikum zur aktiven Auseinandersetzung ein.
Mehrsprachigkeit war ein zentrales ästhetisches Prinzip des Festivals. Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Farsi, Mandarin, Ukrainisch, Shona, Uighur sowie indigene Sprachen wie Guaraní waren parallel präsent. Übersetzung entstand situativ und kollektiv im Raum und machte Verständigung als offenen Prozess erfahrbar.
Das Residenzprogramm der MIGRANTENNALE
Herzstück der ersten Ausgabe war das eigens entwickelte Residenzprogramm. Vom 4. bis 20. August 2025 arbeiteten sechs ausgewählte künstlerische Teams im Saalbau Witten an neuen Arbeiten, die im Rahmen des Festivals erstmals öffentlich präsentiert wurden.
Der Open Call stieß auf große Resonanz: 45 Bewerbungen aus über 25 Ländern und mehr als 20 Sprach- und Erfahrungskontexten gingen ein. Dies verdeutlicht die Vielzahl professioneller künstlerischer Positionen in NRW, die aus global vernetzten Perspektiven arbeiten, sowie den Bedarf an nachhaltigen Produktions- und Präsentationsräumen.
Residenzprojekte 2025:
* We Who Do Not Belong – Tanzperformance (SoKo Jena)
* Stimmen der Freiheit – multisensorische Installation (Nadia Karimi, Liu Peimin, Shiva Siyahvashi, Paklia Polat)
* Arete Guasu – Fiesta Grande – mehrsprachige rituelle Performance (Pampayruna/ Rafael Montero)
* República del Excremento – Community-Theater-Erlebnis (Samanta Pizarro Aliste, Adam Arhelger, Omar Guadarrama / CIA La Perra Alegría)
* Orange, Red, Yellow – interaktive Performance (Nooshin Seifi)
* Pachamama – Mixed-Media-Performance (Kamalanetra Hung, Felipe González Berrios)
Zu Gast bei der MIGRANTENNALE: KUNST GRENZENLOS
Ergänzt wurde das Festivalprogramm durch eine Kooperation der Malteser Werke mit der grossen Wanderausstellung KUNST GRENZENLOS, die vom 21. bis 27. August 2025 im Foyer des Saalbaus zu sehen war.
Kuratiert von Sinan Yaman.
Weitere Kooperationen: URBANE KÜNSTE RUHR zeigte mit GRAND SNAIL TOUR eine zentrale Arbeit: eine migrantische und kollektive Kartografie des Ruhrgebiets, die eine erweiterte Lesart des Territoriums vorschlägt, ausgehend von Trajektorien, Verschiebungen und geteilten Erinnerungen.
DESVIOS SÜD gestaltete den interaktiven Raum ARQUIVO als offene Werkstatt. Ausgangspunkt war ein großformatiges, affektives Kollektivtextil mit handschriftlichen Einträgen. An Arbeitsstationen konnte das Publikum ein Schwarz-Weiß-Fotoarchiv der Fotografin Emelyn Yábar im Postkartenformat mit Fäden, Nadeln und anderen Materialien bearbeiten, im Raum neu anordnen und neue Bildkonstellationen entwickeln.
Partner und Förderer
Die MIGRANTENNALE 2025 wurde gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (Diversitätsfonds NRW), die Stadt Witten, die Stadtwerke Witten, die Sparkasse Witten sowie das Kulturforum Witten.




