Die Wittener Synagoge neben dem Ruhr-Gymnasium (links) 1911; Foto: Ernst Roepke / Repro: J. Fruck, Fotosammlung Stadtarchiv

Erinnern am 9. November

Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung um 18.30 Uhr am Ort der ehemaligen Synagoge

Der 9. November ist seit Mitte der 1980er-Jahre Teil der Erinnerungskultur in Witten. In Erinnerung an die rassistisch motivierten Verbrechen im November 1938, die den Auftakt zur so genannten Endlösung bildeten und zur Auslöschung der jüdischen Gemeinde in Witten führten, rufen die Stadt Witten, das Kulturforum Witten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, AG Witten, und der Freundeskreis der Israelfahrer e. V. zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung am Ort der ehemaligen Synagoge, Breite Straße Ecke Synagogenstraße, auf. Wie in den Vorjahren werden sich verschiedene Initiativen, Verbände, Parteien, Gruppen und Einzelpersonen sowie Schulen dem Aufruf anschließen. Die Straße wird hierfür in der Zeit von 18.30 bis 19.30 Uhr gesperrt.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Sonja Leidemann um 18.30 Uhr wird Benedict Malz für die Schülervertretung des Ruhr-Gymnasiums die diesjährige Gedenkrede halten. Im Anschluss an die Wortbeiträge folgt die Kranzniederlegung. Wie in den Vorjahren wird darum gebeten, vor dem Synagogendenkmal auf das Tragen von Fahnen und Bannern zu verzichten.

Sowohl zur Gedenkveranstaltung am Ort der ehemaligen Wittener Synagoge als auch zur Ausstellungseröffnung in der Erlöserkirche sind Interessierte herzlich eingeladen.


Ausstellung in der Erlöserkirche Annen: „Drum immer weg mit ihnen! Luthers Sündenfall gegenüber den Juden“

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung wird in der Erlöserkirche Witten-Annen, Westfeldstraße 81, die Ausstellung „Drum immer weg mit ihnen! Luthers Sündenfall gegenüber den Juden“ eröffnet. Sie zeigt Luthers intolerante, ja aggressive Haltung gegenüber dem Judentum seiner Zeit. Auch wird die kirchenhistorische Vorgeschichte und die Rezeption des lutherischen Antijudaismus im Nationalsozialismus dargestellt und die Frage nach den Konsequenzen für heute aufgeworfen.

Durch die Ausstellung führt Pfarrer Dr. Martin Vahrenhorst (Schulreferent in Saarbrücken). Hauptveranstalter ist die Evangelische Kirchengemeinde Annen in Verbindung mit zahlreichen Kooperationspartnern und finanziellen Förderern wie: Freundeskreis der Israelfahrer e. V., Deutsch-Israelische Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Witten, Evangelischer Kirchenkreis Hattingen-Witten, Evangelische Stadtakademie Bochum, Evangelisches Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V., Schulreferat in den Evangelischen Kirchenkreisen Hattingen-Witten und Schwelm.


Die Reichspogromnacht 1938 im Deutschen Reich und in Witten

In diesem Jahr jährt sich zum 78. Mal die Reichspogromnacht, auch Reichskristallnacht genannt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangsalierten Anhänger des nationalsozialistischen Unrechtsregimes jüdische Bürger und Bürgerinnen im damaligen Deutschen Reich. Sie zerstörten ihre Wohnungen, Geschäfte und Friedhöfe und setzten über 1400 Synagogen und Gebetsräume in Brand. Etwa 30.000 Menschen wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt, Hunderte wurden ermordet, in den Suizid getrieben oder starben infolge der Haftbedingungen.

In Witten steckten Nationalsozialisten das vor 130 Jahren erbaute jüdische Gotteshaus in Flammen. Die Wittener Zeitung hatte die Synagoge im Einweihungsjahr 1885 noch stolz mit den Worten beschrieben: „Der schöne Tempel ist eine neue imposante Zierde unter den öffentlichen Gebäuden unserer Stadt Witten und macht seinem Erbauer [der Architekt Xaver Rademacher, Anm. d. Verf.] alle Ehre und die besten Empfehlungen.“ Wittener Juden wurden in der Nacht des 9. und am Morgen des 10. November 1938 in Haft genommen und meist über das Polizeigefängnis Bochum in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.

 

 

Bildnachweis: Die Wittener Synagoge neben dem Ruhr-Gymnasium (links) 1911

Foto: Ernst Roepke / Repro: J. Fruck, Fotosammlung Stadtarchiv