Lesetipp

Herr Origami – Ein Roman von Jean-Marc Ceci

Der sechzigjährige Herr Origami lebt auf einer verlassenen Berghöhe in der Toskana und heißt eigentlich Kurogiko, doch das weiß niemand, denn er redet mit niemandem. Seinen Namen geben ihm die Dorfbewohner aufgrund seines Berufs:  Die Herstellung von Papier (Washi), aus dem er das traditionelle japanische Origami, also Papierfiguren, faltet.

In jungen Jahren verließ er seine Heimat und seinen Vater in Japan, um einer geheimnisvollen, unbekannten Frau nach Italien zu folgen. Es gelingt ihm nicht sie wiederzufinden und so strandet er in der Toskana mit nichts, als drei Setzlingen des Papiermaulbeerbaums, die er zur Herstellung des Papiers benötigt. Scheinbar gebrochen verbringt er seine Tage in Abgeschiedenheit und Meditation, bis eines Tages ein Fremder, Casparo, erscheint und ihn um Unterkunft bittet. Von da an beginnt Herr Origami sich zu öffnen und es entfaltet sich eine besondere Beziehung zwischen den beiden, aus der beide schließlich nach gemeinsamer Reise nach Japan und dem anschließendem Abschied in der Toskana gestärkt hervorgehen.

Der belgische/italienische Autor beschreibt sehr poetisch und zart die Philosophie, die hinter der Kunst des Origami steckt, dessen Papierherstellung 2014 zum immateriellen Kulturerbe erhoben worden ist. Obwohl „Washi“ so viel wie „Papier des Friedens und der Harmonie“ bedeutet, ist es doch auch bereits im Krieg als Transportmittel für Bomben missbraucht worden. „So hat jede Schönheit ihre Schattenseiten“, wie Herr Origami festhält. Sein Vater, der die Kunst der Papierherstellung an ihn weitergegeben hat, spielt hier eine tragische Rolle.

Das Buch lässt einen bezaubert und nachdenklich zurück und ist in seiner äußeren Form durch japanische Schriftzeichen als Kapitelüberschrift besonders schön gestaltet.

 

Der vorgestellte Roman kann in der Bibliothek Witten ausgeliehen werden.

Jean-Marc Ceci: Herr Origami – Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag, 2017. – 157 S.

ISBN: 978-3-455-00151-8     € 18 Euro

Bibliothekarin Melanie Duwe, Bibliothek Witten

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